Stadtführung durch Saarlouis

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Der Tag endete mit einem gemeinsamen Abendessen in der "Hessmühle"
© Weissenfels

Für die Senioren des Tenniskreises Spiesen-Elversberg

Im Frühsommer hatte sich eine klare Mehrheit der Stammtischteilnehmer für die Besichtigung der heimlichen Hauptstadt des Saarlandes ausgesprochen. So trafen sich 10 Interessierte in der Eingangshalle des Rathauses Saarlouis. Was lag näher, als die Führung im Gobelin-Saal des Hauses zu beginnen, zumal Petrus der Meinung war, die Teilnehmer könnten ruhig noch etwas Wasser gebrauchen. Es goss von oben.

Bei der Planung des Rathausneubaues wurde der Gobelinsaal zur Aufnahme der historischen Gobelins vorgesehen. Die wertvollen Wandteppiche stammen aus der königlichen Manufaktur in Aubusson. Sie wurden auf Anordnung von Ludwig XIV. 1687 zur Ausschmückung des damals in Saarlouis eingerichteten Präsidialgerichtes angeschafft. Die Gerichtssäle befanden sich im Rathaus. Es entsprach der Mode dieser Zeit, öffentliche Gebäude mit Gobelins auszustatten. 12 der Barocksessel wurden ebenfalls auf Geheiß Ludwig XIV. von einem Tischler aus Metz angefertigt. Tisch und Uhr sind Antiquitäten, die die Stadt zur Rathauseinweihung 1954 erhielt. Der Teppich ist ebenfalls ein Geschenk, und zwar von Johannes Hoffmann, dem Ministerpräsidenten der damaligen Saarregierung. Die Portraits von Vauban und Choisy sind Kopien von Gemälden aus dem 17./18. Jahrhundert. (qr-tourismus, plauen) Unser Stadtführer fand schnell in die wechselvolle Geschichte der Stadt. Die meisten Saarländer kennen die Verbindungen Louis XIV (der Sonnenkönig), dem berühmten Festungsbauer Vauban, Thomas de Choisy, dem ersten Gouverneur und Organisator der Stadt, Napoleon, Maréchal Ney, dem berühmtesten Sohn der Stadt Saarlouis. Dem Regen konnte man nicht entkommen, und so begab man sich - Schirm bewaffnet - ins Freie. Unser Stadtführer, Herr Jostock, erklärte das große Relief an Mauer des Hauses. Es zeigt sehr gelungen die geschichtlichen Ereignisse von Saarlouis. Ein kleines Stück durch den Regen, und wir befanden uns in der Kirche St. Ludwig, am Großen Markt. Der Gotische Turm kontrastiert zu dem Betonbau des Kirchenschiffs. Was befremdlich wirkt, hat seinen Grund: Die Innenstadt wurde auf morastigen Boden gebaut. Zweimal senkte sich das Fundament. Dann entschloss man sich zu dem Betonbau, im Stil einer Art Markthalle. Selbst die Innenbeleuchtung entspricht ungefähr den Außenlampen am Großen Markt. Es entstand ein Effekt, ob geplant oder ungeplant, der eine sehr gute Akkustik bewirkte. Und so nutzen große Orchester die Szene, um ihre Werke zu intonieren. Bei den Erdarbeiten an der Kirche stieß man auf eine Bleikapsel. Es stellte sich heraus, dass sich darin das konservierte Herz des Monsieur Thomas de Choisy befand. Die Kapsel wird heute in der Kirche St. Ludwig hinter einer Gedenktafel aufbewahrt. Weiter ging es zu den Befestigungsanlagen, der Pont Ecluse (Schleusenbrücke) und den Kasematten. Weil sich dort heute die Gastronomie-Betriebe aneinander reihen, werden die Kasematten im Volksmund auch 'die längste Theke der Welt' genannt. Hinter dem Saar-Altarm zur Vauban-Insel, dem Denkmal von Maréchal Ney. der Statue des "vergessenen" Soldaten Lacroix, zur im Umbau befindlichen Bastion 6, wieder Richtung Innenstadt. Einige Teilnehmer genehmigte sich eine Tasse Kaffee im 'Pieper'. Die anderen zogen weiter zur ehemaligen Synagoge, in der heute ein Notar seine Kanzlei hat. Über die Altstadt ging es zurück zum Treffpunkt in der Nähe des Parkplatzes Pieper. Stichwort Altstadt und Bierstraße: In der Bierstraße 13 steht das Geburtshaus des Maréchal Ney mit den üblichen Mansarden-Aufbauten. Traditionell endet der Tag mit einem gemeinsamen Abendessen. Diesmal war in der "Hessmühle" ein Tisch reserviert. "Geheimtipps" sollte man bekanntlich für sich behalten. Der Unterzeichner war schon einmal dort und hatte die Gruppe sehr rechtzeitig angemeldet. Wie notwendig das war zeigte sich schnell, denn an diesem normalen Donnerstag Abend war das Lokal bis auf den letzten Platz besetzt. In der reichhaltigen Speisekarte fanden alle etwas Passendes. Das Urteil war einhellig: "Sehr empfehlenswert"!

                                                                                                                                                                     Manfred Weissenfels