DGB fordert „Schutzschirm für Ausbildungsplätze“
Bettina Altesleben, Geschäftsführerin der DGB-Region Saar, warnt vor rückläufigen Ausbildungszahlen im Saarland: „Es ist zu befürchten, dass die Zahlen im Zuge der Corona-Krise noch weiter drastisch sinken und bestehende Ausbildungsverträge aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten gekündigt werden. Diese Fachkräfte würden uns jedoch in den kommenden Jahren schmerzlich fehlen.“ Für das gesamte Saarland waren für den Monat April bislang 5.500 Ausbildungsstellen gemeldet, 800 oder 13,3 Prozent weniger als zwölf Monate zuvor. Für die Gewerkschafterin liegen die Ursachen nicht nur in der Coronakrise: „Das System der dualen Berufsausbildung war auch ohne das Virus schon ein Fall für die Intensivstation.
Es krankt daran, dass die Betriebe einerseits immer lauter über einen Mangel an Fachkräften klagen, aber sich andererseits immer mehr Unternehmen ihrer Verantwortung entziehen, neue Fachkräfte auszubilden. Prozentual wie in absoluten Zahlen sinkt der Anteil der ausbildenden Betriebe im Saarland fast jährlich. Gab es im Jahr 2009 insgesamt noch 8.789 Ausbildungsplätze im Saarland, so war die Zahl im Jahr 2017erstmals unter 7.000 (genaue Zahl: 6.745) gesunken. Wir fordern Unternehmen auf, in ihre Zukunft zu investieren.“
Thorsten Schmidt, Abteilungsleiter Handwerk im DGB-Bezirk Rheinland-Pfalz / Saarland, setzt auf die Bereitschaft der Betriebe zur Ausbildung: „Der derzeitige Stand der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist nicht repräsentativ und unter den außergewöhnlichen Umständen des Corona-Lockdowns zu betrachten. In den vergangenen Wochen fand keine Berufsorientierung statt, die Schülerinnen und Schüler waren unsicher, wie und wann die Abschlussarbeiten in den Schulen stattfinden werden. Wichtige Orientierungselemente fehlten den Jugendlichen in dieser Zeit, auch die für den heutigen 14. Mai geplante „Interregionale Jobmesse der Großregion“ mit mehreren Tausend jugendlichen TeilnehmerInnen konnte nicht stattfinden. Darüber hinaus hatten auch die Betriebe selbst erst einmal andere Prioritäten. Es musste vielerorts Kurzarbeit beantragt werden, die neuen Arbeits- und Hygienevorschriften durch die Corona-Maßnahmen mussten umgesetzt werden. All das führt auf dem Ausbildungsmarkt zu einer Verzögerung der Vertragsabschlüsse. Derzeit gehen wir von einem generellen Minus bei den Ausbildungszahlen aus, hoffen allerdings, dass sich die derzeitigen ‚Horrormeldungen‘ nach dem Ausbildungsstart im Herbst relativiert haben.“ Schmidt bleibt für den Bereich des Handwerks im Saarland bei der Einschätzung, dass es für eine Bewertung des Ausbildungsjahres als ‚Katastrophe‘ noch zu früh sei. Einigermaßen fest stehe derzeit nur, „dass wir in diesem Jahr keine Zuwächse haben werden“, so Thorsten Schmidt abschließend.

Für den Deutschen Gewerkschaftsbund ist klar: „Ausbildung muss betrieblich bleiben!“ Um Rückgänge auf dem Ausbildungsmarkt in der Corona-Krise aufzufangen, unterstützt Bettina Altesleben die Forderung nach einem „Zukunftsfonds für Ausbildung“: „Dieser Fonds sollte betrieblich finanziert werden, denn die Unternehmen haben selbst ein großes Interesse daran, dass sie auch morgen noch die Fachkräfte finden, die sie benötigen. Starke Betriebe müssen die schwächeren Betriebe unterstützen. Schon jetzt lässt sich erahnen, dass es größere Anstrengungen brauchen wird, um alle Auszubildenden aufzufangen, die ihren Ausbildungsplatz aufgrund der Corona-Pandemie verlieren werden. So sollten beispielsweise Betriebe aus dem Zukunftsfonds unterstützt werden, die Auszubildende übernehmen, denen aus betriebswirtschaftlichen Gründen gekündigt wurde. Auch die Politik ist gefordert, um jeden Ausbildungsplatz zu kämpfen. Hier erwarten wir ein Sonderprogramm für Ausbildungsplätze, die im ersten Jahr auch außerbetrieblich organisiert werden können, sollte es die Krisensituation nicht anders zulassen. Voraussetzung dafür wäre aber eine Zusage der Wirtschaft, die Auszubildenden dann spätestens im zweiten Jahr in die Ausbildung zu übernehmen und die außerbetriebliche Ausbildungsphase anzuerkennen.“
Positive Beispiele im Umgang mit der Corona-Krise in der Ausbildung zeigten sich in mitbestimmten Betrieben. Hier würden laut Einschätzung der Gewerkschafterin Alternativen zum gewohnten Ausbildungsablauf gesucht und Maßnahmen ergriffen, um die Anwesenheit der Auszubildenden im Betrieb zu reduzieren, beispielsweise über Videounterricht und mobiles Arbeiten.

Link: DGB fordert „Schutzschirm für Ausbildungsplätze“
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