Niklas Allenfort trifft gleich im ersten Heimspiel

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Nur wenige Sekunden zwischen Anspannung und Glück – Niklas Allenfort vor und nach
seinem Freistoßtor gegen Saar 05
Foto: -jf-

Es ist die letzte Aktion im Spiel der Borussia gegen Saar 05 im Neunkirchener Ellenfeld. Schiedsrichter Maximilian Fischer hat bereits mehrfach auf die Uhr geschaut. Wenige Sekunden zuvor ist Christoph Stemmler in seinem Sturm- und Dranglauf aufs gegnerische Tor von Alessandro De Agazio am rechten Strafraumeck regelwidrig abgeblockt worden.

Der Freistoßpfiff danach obligatorisch. Niklas Allenfort legt sich das Leder akkurat zurecht (Foto oben links). Tim Cullmann steht neben ihm. Wer wird ausführen? Spezialisten für Standards sind beide. Kurzer Blickkontakt, dann tritt Borussias Neuzugang an. Sekunden später brechen die Emotionen aus dem 18jährigen heraus. Was ist passiert? Mit Vehemenz und Feingefühl zugleich hat Niklas Allenfort den Ball in den rechten oberen Torwinkel gezirkelt. Zentimetergenau. Gäste-Keeper Adam, was den Vornamen betrifft ein Namensvetter des jungen Borussen, kriegt zwar die Finger noch dran, aber zu exakt ist der Ball getimt – keine Chance, Niklas Allenforts erstes Pflichtspieltor im Borussen-Dress ist perfekt. Der Jubel bricht sich seine Bahn. Tim Cullmann ist der erste Gratulant, dann kommen die anderen. Man sieht: Alle freuen sich riesig mit dem jungen Mannschaftskameraden – deutliches Signal für einen guten Teamspirit, der auch dadurch belohnt wird, dass gleich vier Borussen vom online-Portal fupa.net in die „11 der Woche“ berufen werden: Neben Niklas Allenfort Tim Cullmann, Marco Dahler und Tim Klein.

„Was in dem Moment in mir vorgegangen ist, kann ich gar nicht mit Worten beschreiben“, reflektiert Niklas Allenfort einen Tag später sein Glücksmoment und fügt hinzu: „Das war einfach nur ein befreiendes Gefühl, als der Ball im Torwinkel einschlug.“ In der Tat: Ein Bild (Foto oben rechts) sagt mehr als tausend Worte! Mit Borussias Urgestein Tim Cullmann hat er sich Bruchteile vor der Ausführung abgesprochen: „Culle hat mir den Ball überlassen, weil die Position für einen Linksfuß besser war. Das machen wir immer situationsgebunden“, sagt Niklas Allenfort. Der Rest ist bekannt.

„Sehr gut aufgenommen und integriert“ fühlt sich der Abiturient, der im Sommer von der U19 des 1. FC Saarbrücken ins Ellenfeld gekommen ist und Real Madrids Marcello und Dortmunds Achraf Hakimi als seine Vorbilder auf der Außenbahn bezeichnet. Er geht in sein erstes Seniorenjahr. Unterschiede zu den Junioren? „Das Tempo ist in etwa gleich, aber in Sachen Robustheit und Härte ist es ganz anders. Da wird mehr zugelangt und reingegangen. Doch der Gewöhnungsprozess läuft ziemlich schnell bei mir.“ Einen wesentlichen Beitrag dazu leistet die Trainingsarbeit mit Björn Klos und Athletiktrainer Philippe Persch, die Niklas Allenfort gut gefällt: „Sehr abwechslungsreich. Kondition, Technik, Taktik – alles, was man in der Liga braucht.“ Auch die Tatsache, dass seine Eltern ihn in allem unterstützen und bei jedem Spiel dabei sind, tut seiner Entwicklung gut: „Dass sie rückhaltlos hinter mir stehen, gibt mir viel Ruhe und Kraft und lässt mich freier aufspielen. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar!“

Das erste Mal im altehrwürdigen Ellenfeld-Stadion, in dem man bei jedem Grashalm, in jeder Stehplatzstufe die Tradition förmlich riechen kann, aufzulaufen, hat am Samstag für einen Gänsehaut-Effekt gesorgt: „Das war schon ein ganz besonderes Gefühl! Wenn man sich überlegt, dass hier mal vor 20.000 und mehr Zuschauern Bundesliga gespielt wurde! Echt cool, so was gibt es in der Saarlandliga nur einmal. Und das ist jetzt mein sportliches Zuhause!“ Gefreut hat er sich deshalb auch über die Unterstützung der Fans. „Trotz der Enttäuschung in Quierschied sind noch recht viele gekommen und haben uns angefeuert. Das ist auf dem Platz gut rübergekommen. Vor allem bei den Toren war es ganz schön laut. Man spürt: Den Fans liegt die Borussia am Herzen. Und darum macht es mir Spaß, hier für sie zu spielen.“

Man merkt: Niklas Allenfort ist schnell angekommen bei der Borussia, fühlt sich sichtlich wohl. Gute Voraussetzungen für seine weitere Entwicklung, für die er alles geben will. Auch in den Standards will er sich, trotz des Torerfolges, weiter verbessern, denn er weiß: Wer rastet, der rostet. Stillstand ist Rückschritt. Übung macht den Meister. „Standards können eine Waffe sein. Vor allem dann, wenn mal aus dem Spiel heraus nichts läuft. Standards bekommt man immer, und dann müssen die eben helfen“, analysiert er messerscharf. Weshalb auch eifrig weiter daran trainiert wird. „Wir üben die Laufwege ein, wissen, wohin jeder einläuft. Und können uns dann auf die Zielspieler fokussieren.“ Hat das Ritual, vor Ausführung eines Freistoßes oder Eckballes, den Arm zu heben, eine bestimmte Bedeutung? Niklas Allenfort will nicht zuviel verraten, nur so viel: „Unsere Zielspieler wissen dann, dass sie einlaufen können.“

Ein neues Ziel gibt es auch außerhalb des grünen Rasens im Herbst. Anfang November startet der Semester-Betrieb in Saarbrücken für den angehenden Studenten der Betriebswissenschaft. Coronabedingt möglicherweise auf digitalem Weg. „Es wäre allerdings besser, wirklich vor Ort sein zu können. Gerade für uns Erstsemester“, wünscht sich Niklas Allenfort. Doch er weiß: Das Leben ist kein Wunschkonzert, gerade in schwierigen Zeiten. Deshalb wird er auch das angehen wie die Aufgaben auf dem Platz: Engagiert, kampfstark, sich nicht unterkriegen lassen, immer wieder aufstehen. Und jeden Tag dazulernen, um eines Tages ein Meister zu werden!                  (-jf-)