Gegen Einsamkeit und eine bedürfnisorientierte LSBTI-Seniorenpolitik
201222 schmitt vogt
Der Landesvorsitzende der LSU Saar
und Bundespressesprecher der LSU
Thomas W. Schmitt und der Bundesvorsitzende der LSU, Alexander Vogt
© LSU
Weihnachten im Lockdown: Viele fühlen sich dieses Weihnachten einsamer denn je. Denn für besonders viele Menschen bedeuten die Festtage in diesem Jahr Jahr Feiern ohne Familie, Partner oder Freunde oder zumindest mit starken Beschränkungen. "Viele fühlen sich einsam, nicht zugehörig, ausgeschlossen. Man vermisst andere Menschen.

Das kann ein leidvoller Zustand und ein schmerzhaftes Gefühl sein, gerade auch jetzt in dieser besonderen Weihnachtszeit. Schwule, Bisexuelle, Trans* und intersexuelle Menschen (LSBTI) sind vor allem im Alter hiervon nochmal in besonderer Weise betroffen. Das hat mit ihrem Lebensverlauf zu tun, denn während die meisten
Heteros eine Familie gegründet haben, sind LSBTI-Seniorinnen und Senioren eher auf stabile Freundeskreise als Wahlfamilie oder im Zweifel auf gesellschaftliche Angebote angewiesen, vor allem wenn sie Single sind. Zudem hat sich auch generell die Bedeutung und Verbindlichkeit von Familienstrukturen, Beziehungen und Freundschaften gegenüber früher verändert. Sie sind weniger stabil und zeitlich inkonsistenter geworden", stellt Alexander Vogt, Bundesvorsitzender des Verbands Lesben und Schwule in der Union (LSU) fest.

Einsamkeit ist nicht nur ein Problem der Corona-Krise, sondern hat bereits vor der Pandemie viele Menschen betroffen, besonders eben Ältere. Das bestätigt eine auf Daten aus dem Jahr 2017 gestützte Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), die zu dem Ergebnis kommt, dass in unserer Gesellschaft Über-60-Jährige (10,8 Prozent) am stärksten von Einsamkeit betroffen sind. Die repräsentative Langzeitbefragung stützt sich auf deutschlandweit etwa 30.000 Personen in 15.000 Haushalten. Auch die Politik interessiert sich zunehmend für das Thema. Einen deutlichen Anschub erfuhr die Einsamkeitsdebatte in Deutschland durch umfangreiche politische Maßnahmen in Großbritannien. Dort wurde im Jahr 2018 eine nationale Einsamkeitsstrategie aufgesetzt und die erste Ministerin für Einsamkeit ernannt. Mittlerweile wird auch in einigen deutschen Bundesländern über Landesstrategien gegen Einsamkeit einschließlich konkreter Maßnahmen diskutiert. So hat die CDU im Brandenburger Landtag letztes Jahr ein Zwölf-Punkte-Programm vorgelegt und dafür plädiert das Thema mehr in die Öffentlichkeit zu holen. Auch im Saarland wurde das Thema jüngst mit Verweis auf die Ergebnisse der IW-Studie an die Landespolitik herangetragen. Dort hatte der Sozialverband VdK die Landesregierung aufgefordert eine saarländische Strategie gegen Einsamkeit zu entwickeln. Thomas W. Schmitt, Landesvorsitzender der LSU Saar und Bundespressesprecher der LSU fordert dabei den Blick zu schärfen: "Obwohl das Saarland ein sehr geselliges Bundesland ist, haben wir die höchste Einsamkeitsquote aller Bundesländer. Für uns ist das ein besonders deutlicher Hinweis dafür schnell konkrete politische Maßnahmen auf den Weg zu bringen. Wichtig ist aber inklusiv vorzugehen und sich auch LSBTI-Seniorinnen und Senioren als besonders betroffener Gruppe gezielt zu widmen. Jedes Bundesland sollte das bei der Entwicklung von Strategien gegen Einsamkeit mitdenken. Deutschlandweit sind mehr als zwei Millionen LSBTI-Personen über 60! - Das macht die Relevanz des Themas mehr als deutlich."

Darüber hinaus betonen Vogt und Schmitt: "Neben dem Thema Einsamkeit müssen wir die besonderen Lebenslagen von älteren LSBTI insgesamt politisch besser artikulieren. Eine zukunftsorientierte Seniorenpolitik in den Ländern muss deren heutige Lebenssituation abbilden, aber auch einen Planungshorizont für zukünftige ältere LSBTI-Generationen und ihre Bedürfnisse aufzeigen. Konkret heißt das: Bei Planungs- und Entwicklungsinstrumenten der Seniorenpolitik, wie Landesseniorenplänen, müssen ältere LSBTI und ihre Lebenslagen einfach selbstverständlicher mitgedacht und Angebote für sie in den Bereichen Wohnen, Pflege und gesellschaftliche Teilhabe weiterentwickelt und ausgebaut werden." Eine sozialpolitische Aufgabe, die in den nächste Jahren noch viel stärker an Bedeutung gewinnen wird ist sich die LSU sicher. Denn: "Nach und nach rücken jetzt Generationen nach, die weitestgehend offen gelebt haben und dies mit einem entsprechenden Anspruch an Lebensqualität auch im Alter weiter tun möchten.", erklären Vogt und Schmitt abschließend.