Aufklärung gegen die Ausgrenzung von Epilepsie-Erkrankten
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Dr. Volkmar Fischer, Chefarzt der Abteilung Neurologie im Diakonie Klinikum Neunkirchen
© Diakonie Kliniken Saarland
Wer an Epilepsie denkt, hat häufig Bilder von Menschen mit Krampfanfällen im Kopf. Die Angst einen solchen Anfall mitzuerleben und vielleicht nicht helfen zu können, führt oft zu sozialer Ausgrenzung der Betroffenen und Unverständnis bezüglich ihrer Krankheit.

Dabei ist ein Krampfanfall nur ein besonders heftiges Symptom der Erkrankung, das eher selten auftritt. Anlässlich des Purple Day am 26. Februar, einem Internationalen Gedenktag um Bewusstsein für Epilepsie zu schaffen, erklärt Dr. Volkmar Fischer, Chefarzt der Neurologie im Diakonie Klinikum Neunkirchen, die wichtigsten Fakten der komplexen Krankheit. In seiner Fachabteilung behandelt er Menschen mit unterschiedlichen Ausprägungen der sogenannten „Fallsucht“ und weiß wie man helfen kann.

Was ist Epilepsie?
Unzählige Nervenzellen in unserem Gehirn sind für unsere Körperfunktionen verantwortlich: Wie wir uns bewegen, wie wir denken und fühlen. Nervenzellen, die sich unkontrolliert entladen und gleichzeitig Impulse an den Körper entsenden, verursachen eine plötzliche Fehlfunktion des Gehirns. Der Körper reagiert darauf mit einem sogenannten epileptischen Anfall. Tritt diese Fehlfunktion mehr als einmal auf, spricht man von Epilepsie.

Wann sollte ich zum Arzt?
Die Ausprägungen eines epileptischen Anfalls sind sehr unterschiedlich. Die meisten Betroffenen beschreiben die sogenannte Aura: Ungewöhnliche Sinneseindrücke, zum Beispiel Gerüche und Geschmäcker, die eigentlich nicht da sind, Sehstörungen und Halluzinationen oder das Gefühl zu schweben. Das sollte unbedingt neurologisch abgeklärt werden. Viele Menschen erleben sogenannte Anfälle im Laufe ihres Lebens: Ohnmacht, Muskelkrämpfe oder Wahrnehmungsstörungen. Oft sind das aber keine Anzeichen einer Epilepsie, sondern andere Fehlfunktionen des Hirnes oder Anzeichen anderer Erkrankungen. Auch wenn diese nur einmal auftreten, sollten sie medizinisch untersucht werden.

Ist Epilepsie heilbar?
Epilepsie ist eine chronische Erkrankung und äußert sich individuell, deshalb empfiehlt sich ein ganzheitlicher Therapieplan der auf die Anfallsform angepasst ist. Durch medikamentöse Therapie kann man die Anfälle vermeiden oder abschwächen. In manchen Fällen kommt auch eine Operation in Frage oder eine gezielte Stimulation des Nervensystems.

Wie reagiere ich, wenn ich einen Krampfanfall beobachte?
Ein epileptischer Anfall dauert in der Regel nur wenige Minuten, deshalb sollte man schnell reagieren. Entgegen der geläufigen Mythen sollte man den Betroffenen nicht festhalten und keine Gegenstände in den Mund schieben, zum Beispiel um darauf zu beißen. Die Atemwege müssen freigehalten werden – wenn möglich sollten Sie den Betroffenen in die stabile Seitenlage bringen.
Sichern Sie gefährliche Gegenstände, scharfe Kanten und Treppenabsätze in der Umgebung ab und schaffen Sie Platz. Verständigen Sie den Notruf unter der Nummer 112 und bleiben Sie nach dem Anfall beim Betroffenen, bis er wieder klar und orientiert ist.