„Querbeet“ – Gemälde eines großen Jungen

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180827 querbeet

Freuen sich
über die gelungene Ausstellung (v. li.):
Ulf Sauerbaum, Mitarbeiter der Marienhausklinik und Ausstellungsmacher, Christel Müller, Krankenhausoberin, Johann Zank, Mitarbeiter der Marienhausklinik und Künstler
Foto: Astrid Anna Oertel

Galerie der Marienhausklinik Ottweiler zeigt Bilder von Johann Zank

Wer in diesen Tagen das Foyer des Ottweiler Krankenhauses in Richtung Funktionsdiagnostik bzw. zu den Stationen durchschreitet, der begegnet einer Fülle von farbenprächtigen Acryl-Bildern, die teils gegenständlich, teils als abstrakte Bildkompositionen die Wände der Krankenhaus-Galerie schmücken. Auch einige düstere, nicht weniger magische Motive ziehen den Betrachter in seinen Bann. „Früher“, so erzählt uns Johann Zank bei den Vorbereitungen für die Ausstellung, „mochte ich meine Bilder niemandem zeigen. Ich ließ einige davon ab und zu auf dem Gelände, hinter unserer Großwohnsiedlung „liegen“.

Niemand wusste, dass ich die gemalt hatte, aber meine Freunde fanden sie klasse“. Er, der 1963 in West Rumänien (Transsylvanien) geboren wurde, entdeckte seine Liebe zum Malen im Schulalter. Es waren vor allem die Farben, die ihn faszinierten. Bis 1989 regierte in Rumänien das brutalste kommunistische Regime des gesamten Ostblocks. „Wenn ich heute die Bilder aus dieser Zeit betrachte – es sind meist Aquarelle - so sind diese genau so trist und grau wie die Realität in der wir lebten“, erzählt der Künstler weiter. Seine zweite Liebe galt der Mathematik und auf dem Gymnasium hat er die Welt der Zahlen und der Physik für sich entdeckt. Nach dem Studium Ingenieurwesen-Maschinenbau und der rumänischen Revolution ist er zusammen mit seiner Frau 1990 nach Deutschland ausgewandert. „Wir sind mit rumänischen Pässen in einer Nacht und Nebel Aktion über die damalige tschechoslowakische Grenze mit der Bahn nach Nürnberg gefahren; immer mit der Angst im Nacken, dass uns jemand stoppt…“ Obwohl die Auswanderung eine freie Entscheidung war, war der Neubeginn in der „Fremde“ nicht einfach, wenngleich die Chancen für beide unvorstellbar gut waren. Seit Jahren hatte Johann Zank keinen Pinsel oder Farben mehr angerührt; als er durch Zufall in einem Baumarkt die sogenannten „Künstler Acryl Farben“ entdeckte. Er war begeistert, wollte alles kaufen und sofort mitnehmen. Obwohl er damals in sehr bescheidenen Verhältnissen lebte, kam er mit Farbtuben, Pinsel und Leinwand nach Hause. Aber seine künstlerische Seite hatte lange Zeit brachgelegen und so musste er erst wieder hineinfinden in den kreativen Schaffensprozess, in die Freude am Experimentieren und das Gestalten mit Farben und Formen. In dieser Phase kopierte er viele Motive seines Lieblingskünstlers Franz Marc („Die Füchse“, „Die Gelbe Kuh“, „Der Affe“ und vieles mehr). Es folgten Motive von Picasso und anderen Künstlern.

Doch plötzlich war die lähmende Leere verschwunden. Er konnte, nein er musste seine eigenen Bilder malen: Landschaften, Abstraktes, Blumen, Katzen, Städte, das Universum – am liebsten alles zugleich; prächtig und ausdrucksstark. Er hatte mehr Ideen als Kapazitäten.

„Bis heute sind meine Bilder wie Kinder, die sich nicht entscheiden können; sie sind „Querbeet“ - nicht perfekt - sozusagen die Bilder eines „großen“ Jungen.

Die Ausstellung ist bis Ende Oktober in der Galerie der Marienhausklinik Ottweiler zu sehen.

Nähere Infos auch unter: marienhausklinik-ottweiler.de.

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