Geomagnetische Beobachtungs-Messpunkte

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Steinkohlebergwerk Heinitz und das Heinitzer Koordinatensystem


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(1) Der Hauptmeßblock mit dem Treppenaufgang

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(2) Der zweite Block in etwa 20m Entfernung

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(3) Der Kompass hängt an dem Seil
zwischen den beiden Punkten.

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(4) Der Malakoffturm über dem Heinitzschacht 3,
1858 – 1913 (Archiv Debold)

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(5) Die Pauluskirche (1869 – 1945)
Archiv Schwenk


Literatur und sonstige Angaben:
  1. Markscheidekunde von G.Schulte und W.Löhr, Springer Verlag 1949
  2. Einführung in die ­Markscheide­kunde von Dr.L.Mintrop,(Springer Verlag, 1923(
  3. Riß- und Kartenwesen der ­Berg­ingenieurschule der Saarbergwerke AG, 1988, von O.Gerwert
  4. Die Markscheiderei der Steinkohlebergwerke im Bergwerksdirektionsbezirke Saarbrücken und die ­ausübenden konzessionierten ­Markscheider von der ältesten Zeit bis zur Gegenwart 1928, Obermarkscheider Schlicker
  5. Angaben zur Pauluskirche von Horst Schwenk
  6. Das Bild des Malakoffturms verdanke ich Herrn Debold(
  7. Das Bild der Pauluskirche verdanke ich Herrn Schwenk
  8. Fotos der Messpunkte sind Eigenbilder
Die Technik der kartographischen Aufnahme der Erdoberfläche mit den Siedlungen und den bergmännischen Arbeiten in der Grube haben sich im Laufe der Geschichte sehr stark entsprechend den gebotenen technischen Möglichkeiten geändert. Über einen sehr langen Zeitraum diente der Kompass in Verbindung mit den erdmagnetischen Feldlinien (Magnetische Meridiane) zur Winkelmessung und zur Richtungsangabe. Östlich des Riedberges in Heinitz, im ehemaligen Winterbachtal, einem Seitental des Weilerbachtals, stehen heute noch zwei große Gesteinsblöcke in einem Abstand von etwa 20 m voneinander. Auf den westlichen Block führen Treppen. Der Beobachter soll auf dem Gesteinsblock sicher über einem in den Gesteinsblock eingelassenen konzentrischen Metallring Vermessungsgeräte genau aufstellen, bedienen und beobachten können.
Für die Durchführung einer Winkel - Messung wird zwischen zwei Punkten ein Seil gespannt und der Hängekompass an das Seil gehängt und zwar so, dass die 0° der Teilung oder die Bezeichnung „Nord” nach vorne oder in die Richtung der Messung zeigt. Am anderen Schenkel des Winkels kann dann einfach abgelesen werden.
Durch die Aneinanderreihung solcher Messungen entsteht ein „Kompass-Zug”. Bei kleineren Meßprogrammen kann dieser Zug auch ohne besondere Orientierung in einem Netz zugelegt werden. Über viele Jahre wurde der Kompass nur zur Winkelmessung für die Darstellung von Gebäuden und Gegenständen an der Tagesoberfläche eingesetzt. Insbesondere zur Zeit des Anschlages des Heinitzstollens im Jahre 1847 und seiner weiteren bergmännischen Auffahrungen wurden noch alle Vermessungen weitgehend mit Hilfe des Kompasses ausgeführt und deren zeichnerische Zulagen in kleinen Netzen dargestellt.
Bei einer Orientierung des Kompasses nach den magnetischen Meridianlinien und der Messung des Winkels zwischen dem magnetischen Nordpol und dem Folgepunkt in einem Kompass-Zug kann ein Kartenwerk mit einer Orientierung nach dem magnetischen Nordpol erstellt werden. Soll jedoch ein Kartenwerk erstellt werden, das nach einer astronomischen Nordrichtung (Gitter-Nord) ausgerichtet sein soll, so muss die Ausgangslinie, also die Verbindungsgerade zwischen den beiden großen Steinblöcken vermessungstechnisch gegen den astronomischen Meridian bestimmt und sicher festgelegt sein. Bei der Messung des magnetischen Streichens sind die Schwankungen des Erdmagnetfeldes zu berücksichtigen.

Die Schwankungen des erdmagnetischen Feldes
Die großen Gesteinsblöcke, die fest im Boden verankert sind und so über Jahrzehnte unverändert erhalten bleiben, schaffen die Vorraussetzung die Schwankungen des erdmagnetischen Feldes zu erfassen und sie über einen langen Zeitraum zu verfolgen.
Die täglichen Schwankungen des Magnetfeldes erreichen, nach Dr.L.Mintrop, vormittags etwa um 7 Uhr ihre kleinste tägliche Abweichung und nachmittags etwa um 14 Uhr den größten Wert. Die magnetische Abweichung wird zur Zeit im Jahr etwa 1/10° kleiner, so dass sich die Magnetfeldrichtung allmählich der astronomischen Nord – Süd – Richtung nähert und weiter nach Osten bis etwa 13° wandert. Dann schwenkt die Richtung der Feldlinien wieder zurück, geht durch den astronomischen Meridian und wandert in die westlichste Stellung bis etwa 20° und kehrt dann wieder um. Für einen vollen Hin- und Rückgang brauchen die Feldlinien in Deutschland etwa 500 Jahre. Die Erdmagnetlinien verlaufen zum magnetischen Nordpol und dringen dort senkrecht in den Pol ein. Der magnetische Nordpol lag im Jahre 2005 hoch im Norden Kanadas und wandert zur Zeit jährlich etwa 40 km in die nordwestliche Richtung. Der magnetische Pol bewegt sich täglich in der Form einer Ellipse um seine Mittelposition.
Der geographische Nordpol wird durch die Rotation der Erde um ihre Achse definiert. Die Meridianlinien verlaufen durch den geographischen Nordpol. Bei der Herstellung von Landkarten wählt man einen „Hauptmeridian“ für das Gebiet einer Landkarte. Dieser Hauptmeridian liegt in der Regel in der Mitte der zu erstellenden Landkarte und übernimmt die Funktion des „Gitter- Nords“ für die entsprechende topographische Karte. Der Winkel zwischen den geographischen Ortsmeridianen und den geomagnetischen Feldlinien wird „Deklination“ genannt. Unsere gebräuchlichen topographischen Landkarten oder Risse orientieren sich an dem „Gitternord“. Der Kompass orientiert sich nach den Feldlinien zum magnetischen Nordpol und unterliegt damit einer Missweisung, der Deklinations – Orts – Missweisung. Diese Missweisung ist bei der Zulage auf dem Karten- oder Rißwerk zu berücksichtigen. Man bestimmt sie als Differenz zwischen dem mit dem Kompass gemessenen Streichwinkel und der bekannten Richtung der Verbindungsgeraden der Steinblöcke . Zu berücksichtigen sind dabei die ständigen Schwankungen der Pol - Lage und damit die ständigen Änderungen der Missweisung. Die Missweisung wurde in Heinitz in regelmäßigen Zeitabständen von et wa 1850 bis zum Jahre 1935 gemessen. Im Jahre 1935 wurde die letzte Messung durch Herrn Markscheider Otto Groß ausgeführt, wie er persönlich mitgeteilt hat. Die Deklination (Nadelabweichung) wird auch heute noch auf allen topographischen Karten für das entsprechende Blatt angegeben. Auf der Topographischen Karte, 1:25.000, Nr. 6609, Blatt Neunkirchen wird für das Jahr 1992 eine Nadelabweichung von 2,32° westlich angegeben. Die durchschnittliche jährliche Abnahme beträgt hier 0,080°.
Im Jahre 1836 wurde zum ersten Mal ein von Breithaupt konstruierter Theodolit im Saarrevier, im Ensdorfer Stollen der Grube Kronprinz, eingesetzt. Erst ab dem Jahre 1860 war die technische Entwicklung der Theodoliten ausgereifter und sie kamen daher häufiger zum Einsatz. Auch in der Grube Heinitz wurde nach 1860 kaum noch ein Kompass eingesetzt. Nach dem Jahre 1878 werden in den Gruben insgesamt keine Kompasse mehr verwendet. Der große Nachteil der Kompass – Messung war die hohe Empfindlichkeit des magnetischen Feldes durch Metalle in der Umgebung der Vermessungsarbeiten und selbst durch die Kleidung der Vermesser. Metallteile an der Kleidung mussten entfernt werden und die Hosentaschen waren entsprechend zu leeren. Mit dem Anwachsen der Anforderungen an das Kartensystem als Grundlage für Planungen und der Notwendigkeit des Überblicks über durchgeführte bergmännische Arbeiten wie Abbaubetriebe und Streckenauffahrungen ergab sich die Notwendigkeit eines größeren zusammenfassenden Koordinatensystems.

Das Heinitzer Koordinatensystem
(Der Oberbergamtsmarkscheider Kliver (bekannt durch die Kliver-Karte) erarbeitete entsprechende Vorschläge. Die Direktionssitzung vom 25.März 1871 nahm diese Vorschläge an und empfahl den verschiedenen Königlichen Bergwerksdirektionen deren Realisierung.(Da alle bisherigen Grubenrisse so orientiert waren, dass das Ausgehende des Flözes ungefähr dem oberen Rande des Risses parallel lief und die Lagerstätte dem Beschauer des Risses zufiel, sich gleichsam vor ihm ausbreitete, glaubte man zweckmäßig zu handeln, diese Darstellung beizubehalten. Man hatte sich an diese Art der Darstellung gewöhnt.(Es wurde daher ein Axensystem gewählt, in dem die Abszissenachse parallel dem Generalstreichen der Flöze des Fettkohlenpaketes lag. Die Linie selbst bezeichnete man mit dem Namen „Saarbrücker-Reviergrundlinie”. Sie wurde bestimmt durch einen Punkt auf einer Steinplatte auf dem Turm über den Heinitzschacht III, dem Malakoffturm, der Berginspektion VII, der auch als Nullpunkt des Koordinatensystems angenommen wurde. Der zweite Punkt der positiven Abszisse und Zielpunkt war der Turmknopf am Kreuz der oberen evangelischen Kirche, der ehemaligen Pauluskirche, in Neunkirchen. (In dem so festgelegten „Heinitzer Koordinatensystem” wurde das neu geschaffene Rißwerk des Saarreviers orientiert und zusammengefasst. Der 0 Punkt des Koordinatensystems auf dem obersten Plateau des Malakoffturms lag also auf einem besonders repräsentivem Gebäude des Bergbaus der damaligen Zeit. Der Bau des Malakoffturms über dem Schacht 3 begann 1858. Im Jahre 1890 wurde in ihm die erste Elektrozentrale der mit Kokereigas betriebenen Generatoren eingerichtet. Der hier erzeugte Strom war für den Verbrauch in der Grube geplant. Die technischen Erfahrungen, die man hier sammeln konnte, bildeten die Grundlage für das spätere im Jahre 1904 begonnene und mit Kokereigas betriebene „Großkraftwerk” der heutigen historischen Gasmaschinenzentrale Heinitz.(Ein ebenso beeindruckendes Bauwerk in Neunkirchen war die Pauluskirche, die neue obere evangelische Kirche. Sie wurde kurz vor der Einführung des Heinitzer Koordinatensystems im Jahre 1871, am 16.12.1868 eingeweiht. Ihren Grundstein legte man am 10.5.1867. Am gleichen Tage wie den Grundstein der unteren evangelische Kirche. An der Stelle der Pauluskirche stand ehemals eine kleinere Kirche, die im Jahre 1727 erstellt und im Jahre 1866 wegen Baufälligkeit abgerissen werden musste. Die obere evangelische Kirche, die Pauluskirche, bildete somit den zweiten bedeutenden Punkt der „Saarbrücker- Reviergrundlinie”.
Herbert Müller
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