Reifeprüfung vor sechs Jahrzehnten

„Abi-Oldies“ vom Krebsberg blicken zurück
 
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Oberstudiendirektorin Sigrid Maschlanka, Dr. Horst Schmelzer, Adelbert Halm, Karl-Heinz ­Köhler, Jürgen Gordner, Helmut Sutter, Wolfgang Weber, Rolf Dietrich, Dr. Hermann Wagner. ­
Zum Foto-Termin fehlten: Heinz-Dieter Maas, Dr. Winfried Lawall
Vor genau 60 Jahren, Anfang 1959, haben sie ihr Abitur gemacht. Zum Jubiläum trafen sie sich dieser Tage – teils weit angereist – als 10 gestandene akademische Senioren an ihrer alten Penne, dem Krebsberg-Gymnasium Neunkirchen.
Erinnerungen wurden wach, Anekdoten wiederbelebt, die alte Zeit mit der neuen verglichen. War damals alles besser? Nun – verändert hat sich jedenfalls so einiges! In den Fünfzigern gab es in unserem Landkreis Grundschulen, von denen aus gerade mal zwei oder drei Kinder eines Jahrgangs den Weg zum Gymnasium antraten. Deren Pforten öffneten sich nur nach bestandener Aufnahmeprüfung. Das schulische Anforderungsniveau war extrem ehrgeizig, die Versetzungspraxis meist unerbittlich. Dafür galt mit bestandener „Reifeprüfung“, in der Regel nach neun Jahren, ein Wunsch-Studienplatz samt Einstieg in den angestrebten Beruf als so gut wie garantiert. Heuer bringen es rund 50 Prozent eines Jahrgangs zum Abitur – die einstige „Höhere Schule“ umfasst jetzt Gymnasium und Gesamtschule. Dieses Duo ist quasi zur neuen Hauptschule geworden.
Am Beispiel ihrer Kinder und Enkelkinder haben unsere Abi-Jubilare diesen Wandel verfolgen können. Bei ihrem eigenen Start 1950 – anfänglich noch im Nachkriegs-Provisorium an der Schloss-Straße, ab Herbst dann im Neubau am Krebsberg – teilten sich die 59 (!) Sextaner des naturwissenschaftlich betonten „Oberreal“-Zweigs ein Klassenzimmer. Heutzutage wären mehr als 30 die absolute Ausnahme. Bezeichnend: Von diesen 59 Aspiranten kamen ganze fünf umwegfrei zum Abitur mit ihrer insgesamt 13-köpfigen Oberprima „OI c“. Deren zwölf brachten es anschließend zum Hochschulabschluss in verschiedenartigsten Fachrichtungen: Archäologie, Jura, Medizin, Mathematik, Physik, Chemie, Ingenieurwissenschaften, Berufspädagogik, Sportwissenschaften, Wirtschaftslehre sind vertreten.
Galten in den Fünfzigern Fleiß, Lerndisziplin, Ordnungssinn als erzieherische Leitlinien, so sind im Laufe der Zeit mehr und mehr Werte wie Kreativität, Eigeninitiative, Team- und Kritikfähigkeit in den Fokus gerückt. Auch wenn unter den Jubilaren etliche diese Abkehr vom strikten Leistungsgedanken skeptisch als „Kuschelpädagogik“ einstufen – einig sind sich alle: Schule soll Freude machen, Spaß und Leistungsstreben dürfen sich aber niemals ausschließen.
Ein weiterer gravierender Unterschied im schulischen Alltag von damals und heute kam zur Sprache: Samstag war seinerzeit ein normaler Unterrichtstag, dafür waren die Nachmittage frei verfügbar für Hobbies, Treffs mit den Freunden, musische und sportliche Aktivitäten etc. Heute erstreckt sich der Unterricht durchweg bis weit in den Nachmittag hinein. Statt Bewegung, Sport, Spiel oder Abenteuertouren in freier Natur bestimmen allzu oft Fernseher, Computer, Spielkonsole, Smartphone die Freizeit. Nicht verwunderlich: Untersuchungen belegen, dass in Deutschland nur noch etwa jeder vierte Junge bzw. jedes sechste Mädchen das von der WHO empfohlene täglich 1-stündige Bewegungspensum erreicht.
Was unsere Krebsberg-Oldies eint: Sie sind vor allem zutiefst dankbar, dass ihnen ihre Eltern in der schwierigen Nachkriegsepoche – nicht selten unter persönlichen Opfern – den Weg zum Gymnasium ermöglichten. Und auch dafür, dass aus einem – den Zeitumständen geschuldet – pädagogisch recht unterschiedlich qualifizierten Lehrerkollegium zum Glück einige wahre Hochkaräter herausragten, die ihnen einen so nachhaltigen wie wertvollen Fundus an Wissen, Bildung und Motivation mit auf den Weg gegeben haben. 
Herzlichen Dank sagen die „Abi-Oldies“ nicht zuletzt auch der derzeitigen Schulleiterin des Krebsberg-Gymnasiums, Frau Sigrid Maschlanka, die ihnen das heutige, moderne Gesicht ihrer „alten Schule“ mit sichtlicher Freude präsentierte….
Weitere Informationen zum Krebsberg Gymnasium in Neunkirchen erhalten Sie auch im Internet unter gak-nk.de.