Biografie eines Preußischen Generals
Philipp Christian Theodor Conrad von Schubert
 
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Philipp Scheidemann ruft die Republik aus
Fotoquelle Bundesarchiv Bild 175-01448
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General Richard v. Schubert 1917
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Conrad v. Schubert (1847-1924)
als jüngerer Offizier
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Ida v. Schubert, geb. von Stumm (1861-1916)
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Teilbereich des Neunkircher Eisenwerks.
Bildmitte rechts das Stummsche Herrenhaus
an der Saarbrücker Straße
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Conrad Philipp Christian Theodor Conrad
v. Schubert 1902 als General
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Conrad v. Schubert um 1922 als Politiker
und Großindustrieller
Biografische Skizzen über einen Preußischen General, Reichstagsabgeordneten und Großindustriellen am Industriestandort Neunkirchen/Saar.
Fast auf den Tag genau vor 100 Jahren endete der Erste Weltkrieg mit der militärischen Niederlage Deutschlands und seiner Verbündeten und führte zur Auflösung der 217 Jahre bestehenden preußisch-deutschen Monarchie. In den folgenden Wochen und Monaten überschlugen sich die Ereignisse während der so genannten Novemberrevolution. Am 7. und 8. November 1918 erfolgte in München und Braunschweig der politische Umsturz und die Errichtung von Räterepubliken, geführt von Arbeiter- und Soldatenräten. Philipp Scheidemann, Vorstandsmitglied der SPD, verkündete am 9. November aus einem Fenster des Reichstages in Berlin, ohne Absprache mit dem 1. Vorsitzenden, Friedrich Ebert, das Ende des Kaiserreiches und rief die Republik aus. Wilhelm II. begab sich am 10. November ins Exil nach Holland und dankte am 28. November als deutscher Kaiser und König von Preußen ab. Am 11. November wurden die Kampfhandlungen des Ersten Weltkrieges mit dem Waffenstillstandsabkommen vom Compiègne eingestellt.

Auch für die Menschen unserer Region, des Landkreises Ottweiler im preußischen Regierungsbezirk Trier, bedeuteten diese Ereignisse, verbunden mit dem Ende der konstitutionellen Monarchie, deren sie über Generationen angehört hatten, einen tiefen Umbruch ihrer bisherigen Wertvorstellungen.

Mit hundertjährigem zeitlichem Abstand soll nun auf die Lebenswelten und Einstellungen eines Mannes mit engem Bezug zu Neunkirchen eingegangen werden, der als höchster Offizier im östlichen Saarrevier, als Abgeordneter und Wirtschaftsvertreter und nicht zuletzt als Schwiegersohn und „rechte Hand“ des Carl Ferdinand Freiherr von Stumm-Halberg zur Führungselite des wilhelminischen Kaiserreiches zählte.

Philipp Christian Theodor Conrad von Schubert wurde am 29. Oktober 1847 in dem 23 Bewohner umfassenden Gutsbezirk Wielkibor bei Jutroschin, Kreis Rawitsch, in der preußischen Provinz Posen geboren. Sein Vater, der Rittergutsbesitzer Theodor Schubert, Herr auf Bogislawitz, Rachelsdorf, Koschine und Kalmow im schlesischen Kreis Militsch, geboren am 07.10.1816 in Posen, heiratete am 12.10.1846 in Rawitsch die 23-jährige Amalie Lebius und verstarb am 12.05.1890 in Bogislawitz. Die Ehe der Eltern endete bereits 9 Jahre später mit dem frühen Tod der Mutter im Alter von nur 32 Jahren, die den damals 8-jährigen Conrad und dessen 5-jährigen Bruder Richard zurückließ.
Die beiden Brüder verbrachten ihre Kindheit in Posen, besuchten die Bürgerschule und das Gymnasium in Ostrowo und traten am 1. Oktober 1865 beziehungsweise am 1. April 1867 ihren Militärdienst als Einjährig-Freiwillige in der preußischen Armee an.
Die Einjährig-Freiwilligen stellten im Kaiserreich eine Militär-Institution dar, aus der sich vornehmlich das Reserve-Offizierskorps bis zum Dienstgrad Hauptmann rekrutierte. Rechtliche Grundlage dieses Dienstes war der auf älteren preußischen Militärgesetzen basierende § 8,1 der Deutschen Wehrordnung:

„Junge Leute von Bildung, welche sich während ihrer Dienstzeit selbst bekleiden, ausrüsten und verpflegen und welche die gewonnenen Kenntnisse in dem vorgeschriebenen Umfange dargelegt haben, werden schon nach einer einjährigen aktiven Dienstzeit im stehenden Heere – vom Tage des Dienstantrittes gerechnet – zur Reserve beurlaubt.“ Anspruch auf dieses Bildungsprädikat hatte jeder, der die an einer der staatlich anerkannten Lehranstalten erworbene Qualifikation, im allgemeinen der erfolgreiche Besuch der Untersekunda, zum Einjährigen Militärdienst nachweisen konnte, oder seine „wissenschaftliche Befähigung“ vor einer besonderen Prüfungskommission dargelegt hatte. Mit dem Erhalt eines Berechtigungsscheines war der Bewerber angenommen und durfte den Truppenteil selbst wählen.

Sowohl Conrad, als auch Richard Schubert hatten sich nach diesem Einstieg beim Militär zum Wechsel in die aktive Offizierslaufbahn entschieden und letztendlich hohe Generalsränge im Verlauf ihrer militärischen Karriere erreicht. Der jüngere Richard hatte am Ende des Ersten Weltkrieges als Generaloberst den zweithöchsten Rang in der Armee erlangt und war zuletzt Oberbefehlshaber der 7 Armee auf dem westlichen Kriegsschauplatz. Neben anderen höchsten Auszeichnungen war ihm 1916 der Orden Pour le Mérite verliehen worden, nachdem er bereits am 27. Januar 1909 durch Kaiser Wilhelm II. aufgrund seiner Verdienste in den erblichen preußischen Adelsstand erhoben worden war. Bis zu seinem Tod am 13. Mai 1933 lebte Adolf Louis Theodor Richard von Schubert zurückgezogen in Marburg. Ein weiterer Bruder namens Theodor Ludwig Hermann Schubert, geboren 1851, gestorben 1926, schlug ebenfalls die Militärlaufbahn ein und beendete diese als General der Fußartillerie und Kommandeur der 22. Reserve-Division im Oktober 1918.

Conrad Schuberts Militärkarriere begann, seinen technischen Neigungen entsprechend, am 1. Oktober 1865 im Rheinland mit seinem Eintritt in das Pionier-Bataillon Nr. 7 am Standort Koblenz. Mit diesem Truppenteil nahm er als Unteroffizier an den Schlachten von Münchengrätz und Königgrätz während des Krieges 1866 gegen Österreich teil, wo er unter Beförderung zum Portepeefähnrich für sein tapferes Verhalten ausgezeichnet wurde. Nachdem er das Offiziersexamen mit der Belobigung König Wilhelm I. bestanden hatte, erfolgte am 9. November 1867 seine Versetzung als Sekondeleutnant zur 3. Ingenieurinspektion. Im Rahmen seiner weiteren Ausbildung absolvierte er dann vom 1. Oktober 1868 bis zum 16. Juli 1870 die Vereinigte Artillerie- und Ingenieurschule und erhielt von dem Direktor der Einrichtung eine gute Beurteilung, die seinen weiteren Weg ebnete: „Er hat bei einem anständigen, bescheidenen Wesen viel Eifer und ernstes Streben an den Tag gelegt. Seine militärische Haltung und seine geselligen Formen sind gut. Die wissenschaftlichen Leistungen beim Besuch des unteren Coetus der Artillerie- und Ingenieurschule, Kursus 1868/69, waren bei guten Fähigkeiten und gutem Fleiß sehr gute. Seine moralische Führung war ohne Tadel.“
Mit der Mobilmachung und dem Beginn des Deutsch-Französischen Krieges erhielt Schubert eine neue Verwendung als Zugführer im Kurhessischen Pionier-Bataillon Nr.11 und zeichnete sich im Feldzug als „besonders umsichtiger, selbständiger, zuverlässiger und tapferer“ Offizier aus. Mit seiner Einheit kämpfte er in den Schlachten von Weißenburg, Wörth und Sedan, wo er verwundet wurde, nahm an der Beschießung von Pfalzburg sowie an der Belagerung von Paris teil und wurde am 26. September 1870 für seine Leistungen mit dem damals selten verliehen Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet.

Die günstigen Beurteilungen seiner Vorgesetzten während der Kriegsereignisse öffneten ihm in der Folgezeit die Adjutanten-Laufbahn, die begabten Offizieren bei anhaltend guten Leistungen auch ohne Besuch der 3-jährigen Kriegsakademie den Aufstieg in hohe Dienstränge bis zur Generalität ermöglichte. Mit seiner Ernennung zum Bataillonsadjutanten am 1. April 1872, unmittelbar nach Kriegsende, verbunden mit der Beförderung zum Premierleutant am 13. Juli desselben Jahres, begann die eigentliche Karriere des damals 24-jährigen Ingenieuroffiziers Schubert in der preußischen Armee während der kommenden 20 Jahre. Für höhere Verwendungen ausgewählt, nahm er 1873 an der Generalstabsreise des XI. Armeekorps teil und war während der Herbstmanöver mehrfach als Ordonnanzoffizier zum Stab der 21. Division kommandiert. Auch hierbei bewährte er sich, so dass er zum Generalstab empfohlen wurde. Zunächst bekleidete er jedoch vom 5. Februar 1874 bis zum 14. Januar 1876 die Dienststellung als Adjutant der 3. Pionierinspektion, kam anschließend zur Fortifikation Straßburg und wurde daraufhin für die Dauer eines Jahres zum Großen Generalstab kommandiert. Als Folgeverwendung in hohen Stäben wurde er dann am 13. November 1877 zum Adjutant der Generalinspektion des Ingenieur- und Pionierkorps ernannt und in dieser Funktion im Alter von 31 Jahren außerhalb der Anciennität mit 2 Jahren Vorpatent bevorzugt zum Hauptmann befördert. 1884 wurde er wie folgt von seinen Vorgesetzten beurteilt: „Von äußerst ehrenwerter, liebenswürdiger und vertrauenerweckender Persönlichkeit, mit sehr guten allgemein wissenschaftlichen Kenntnissen ausgestattet, hat Hauptmann Schubert durch seine Dienstverwendung sich eine umfassende und eingehende Kenntnis der verschiedenen Zweige des Pionierdienstes sowie der allgemeinen militärischen Verhältnisse erworben und füllt seine Stellung als Adjutant der Generalinspektion in sehr verdienstvoller Weise aus, so dass er zur vorzugsweisen Beförderung empfohlen werden kann. Im Fortifikationsdienst hat er sich in der kurzen Zeit seiner Verwendung sehr eifrig und brauchbar gezeigt. Er ist von stattlicher militärischer Erscheinung, hat gewandte Umgangsformen und ist felddienstfähig, insgesamt ein vorzüglicher Offizier.“

Mit dem Erreichen dieses Dienstranges war er in die Lage versetzt, nach Erhalt des vorgeschriebenen Heiratskonsenses, eine Ehe zu schließen. Seine verantwortungsvolle Stellung in der technischen Truppengattung muss dann wohl zur Bekanntschaft und Umgang mit der Familie des Neunkircher Hüttenbesitzers, freikonservativen Reichstagsabgeordneten und Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses, Kommerzienrat Carl Ferdinand Stumm, geführt haben.

Hauptmann Conrad Schubert heiratete 1881 dessen am 05.04.1861 in Neunkirchen geborene älteste Tochter Ida Louise Henriette, die das 224 ha umfassende Ritter- und Weingut Grünhaus bei Mertesdorf im Regierungsbezirk Trier als Mitgift in die Ehe einbrachte.
Seine militärische Laufbahn erforderte nun nach langen Jahren in den unterschiedlichen Stäben eine Verwendung im Truppendienst, die er am 13. September 1884 mit seiner Ernennung zu Kompaniechef im Garde-Pionierbataillon antrat. Nachdem er auch in dieser Stellung überzeugen konnte, rückte er am 11. Dezember 1886 in den Stab auf, erhielt am 17. April 1888 die Beförderung zum Major und wurde am 19. November zum Kommandeur des bevorzugten Garde-Pionierbataillons ernannt. Die „Majorsecke“ hatte er somit problemlos überwunden und war für höhere Aufgaben auserwählt. Günstig wirkte sich dabei mit Sicherheit auch die Nähe seines Schwiegervaters zum Königs- und Kaiserhaus aus, was durch den Besuch Wilhelms II. 1892 in den Neunkircher Hüttenwerken und auf Schloss Halberg dokumentiert ist. Carl Ferdinand Stumm war bereits 1888 von dessen Vater, Kaiser Friedrich III., der erbliche Adelstitel als Freiherr von Stumm-Halberg verliehen worden.
Conrad Schuberts Militärkarriere setzte sich mit der Beförderung zum Oberstleutnant am 18. April 1893 fort. Am 27. Januar 1895 mit der Führung des Eisenbahn-Regiments Nr. 1 in Berlin beauftragt, erhielt er am 14. Februar 1895 die entsprechende Kommandeursstellung. Ein Jahr später, am 20. Mai 1896 erfolgte, damit verbunden, für den 48-jährigen die Ernennung zum Oberst. Anlässlich einer 1897 durchgeführten Großübung überzeugte er mit seinen Leistungen auch den als sehr kritisch bekannten Chef des Generalstabes der Armee, den General der Kavallerie von Schlieffen, der ihn herausragend beurteilte: „Ein Offizier, auf welchen man sich auch unter ungewöhnlichen Verhältnissen verlassen kann und welcher durch seine Energie auch recht schwierige Aufgaben zu meistern imstande ist.“
Am 15. Januar 1899 wurde er aufgrund seiner Verdienste unter dem Namen Philipp Christian Theodor Conrad von Schubert in den erblichen preußischen Adelsstand erhoben, worin ihm sein jüngerer Bruder Richard, der in demselben Jahr zum Generalmajor und Kommandeur der 16. Feldartillerie-Brigade in Trier avanciert war, 10 Jahre später folgte.
Wenige Monate später, wurde ihm nach der damals üblichen 4-jährigen Standzeit als Regimentskommandeur die Führung der Eisenbahn-Brigade übertragen, die er ab dem 1. Juni 1899 als Kommandeur in den folgenden 3 Jahren befehligte. Mit der dann am 3. Juli 1899 erfolgten Beförderung zum Generalmajor hatte er den untersten Generalitätsrang in der preußischen Armee erreicht und gehörte fortan zur militärischen Führungselite im Kaiserreich. In seiner letzten militärischen Beurteilung vom 1. Januar 1900 bescheinigte ihm der Inspekteur Generalleutnant Rothe:“ eine sehr gute, jugendlich frische, militärische Erscheinung von einnehmendem, liebeswürdigem Wesen, taktvollem Benehmen, gewandten Formen und sicherem Auftreten vor der Front wie in der Gesellschaft. Geistig gut, soldatisch vortrefflich veranlagt, sehr strebsam und tätig sowie lebhaft und das Wort beherrschend, wirkt er auch in der Stellung des Brigadekommandeurs auf die Hebung des soldatischen Geistes in der Truppe in vorteilhaftester Weise ein. Ebenso ist er bemüht, die technische Ausbildung der Brigade zu fördern.

Bei seinen Untergebenen, für die er ein großes Wohlwollen besitzt, ist er sehr beliebt. Er ist felddienstfähig.“

Dann trat mit dem Tod seines Schwiegervaters, des Carl Ferdinand Freiherrn von Stumm-Halberg, am 8. März1901 im Alter von 64 Jahren eine entscheidende Wende im vorgezeichneten militärischen Werdegang des Generals ein. Am 12. September 1902 hatte er noch eine Rangerhöhung zum Generalleutnant erhalten und trug ab diesem Zeitpunkt den Titel Exzellenz von Schubert. Da sein Schwiegervater keine männlichen Erben hinterließ, sah er sich verpflichtet, dessen Vermächtnis und Wirken auf allen Gebieten um- und fortzusetzen und unter Aufgabe seiner Militärkarriere nach 37 Dienstjahren als neues Oberhaupt der Familie Stumm zu fungieren. In der Konsequenz bat er daraufhin im Dezember 1902 um seinen militärischen Abschied, worauf ihn Kaiser Wilhelm II. am 8. Januar 1903 zur Disposition (z.D.) stellte. Als Ehrenvorsitzender des Kreiskriegerverbandes Ottweiler hielt er sich bei festlichen Veranstaltungen oft in Neunkirchen und Umgebung auf und war hier eine allseits bekannte und angesehene Persönlichkeit.

Nachdem er bereits unmittelbar nach dem Ableben seines Schwiegervaters die Vermögensverwaltung für dessen Witwe, seine Ehefrau Ida und 3 Schwägerinnen übernommen hatte, widmete er sich im Zivilleben fortan verstärkt wirtschaftlichen und politischen Aufgaben. Am 3. März 1903 trat der Generalleutnant z.D. von Schubert in die Firma Stumm ein, welche zeitgleich von der Rechtsstellung als Kommanditgesellschaft Neunkircher Hütte in eine GmbH unter Beteiligung der 4 Brüder des Stiefvaters umgewandelt wurde und übernahm dort den stellvertretenden Vorsitz im Aufsichtsrat. In der Folge bekleidete er weitere hochkarätige Vorstandsposten in der Industrie und Wirtschaft. So leitete er als Vorsitzender des Aufsichtsrates die Dillinger Hüttenwerke AG sowie die Halberger Hütte, wurde als Mitglied in den Aufsichtsrat der Preußischen Zentral-Boden-Credit-AG in Berlin berufen und trat in den Grubenvorstand der Gewerkschaft Minister Achenbach zu Brambauer Kreis Dortmund ein. Als Mitglied im Centralverband des Ausschusses Deutscher Industrieller (CVD I) vertrat er ab 1909 die Interessen der Schwerindustrie im Sinne seines verstorbenen Schwiegervaters. Seine Verbindung zur Saarregion hielt er als Geschäftsführer des Vereins zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen der Saarindustrie.

Im Zusammenhang mit seinen politischen Interessen übernahm von Schubert noch vor dem Ersten Weltkrieg den Vorsitz des Deutschen Verlagsvereins und wird 1913 als Beteiligter bei der Übernahme des Zeitungs- und Verlagsbesitzes von August Scherl, Herausgeber unter anderem von „Die Woche“ und dem „Berliner Lokalanzeiger“, erwähnt.
Der Einstieg in die Parteipolitik dürfte für den preußischen General, der damit noch nie in Berührung gekommen war, da es mit seinem Standesdenken nicht zu vereinbaren war, nicht leichtgefallen sein. Dies bedeutete mit Sicherheit eine Zäsur im Leben des 55-jährigen, wobei das Pflichtgefühl dann aber wohl die eigenen Neigungen durch jahrzehntelange militärische Prägung doch überlagert hat.

Die politische Laufbahn von Schubert begann am 12. November 1903 mit seiner Wahl als Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses, der Zweiten Kammer des Preußischen Landtags neben dem Preußischen Herrenhaus. Hier vertrat er den Wahlkreis Trier 5 mit den Kreisen Saarbrücken, Ottweiler und St.Wendel. Im Gegensatz zu den Reichstagswahlen bestand damals in Preußen kein gleiches, sondern ein Dreiklassenwahlrecht nach Maßgabe der von den Wahlberechtigten zu errichteten Steuern in drei Abteilungen beziehungsweise Steuerklassen. Die Mitglieder des Abgeordnetenhauses wurden indirekt von den durch die Urwähler gewählten Wahlmännern in den Urwahlbezirken gewählt. Stimmberechtigt war jeder selbständige Preuße, der das 24. Lebensjahr vollendet hatte, sich im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte befand, seit mindestens sechs Monaten an seinem Wohnsitz ansässig war und aus öffentlichen Mitteln keine Armenunterstützung erhalten hatte. Der bei der Wahl noch parteilose General z.D. von Schubert trat dann 1905 in der dritten Session der Nationalliberalen Partei als Hospitant und Vertreter der Großindustrie bei. Diese politische Richtung vertrat er als Abgeordneter bei zwei Wiederwahlen bis 1918. Inhaltlich setzte er sich dabei unter anderem für die Kanalisierung von Mosel und Saar sowie für die Staatsschule, frei von konfessioneller Bevormundung, ein.

Am 25. Januar 1907 wurde von Schubert als Kandidat der Nationalliberalen Partei im Wahlkreis 6 Trier mit den Kreisen Ottweiler, St. Wendel und Meisenheim für die XII. Legislaturperiode des Deutschen Reichstags aufgestellt und gewann am 5. Februar die Stichwahl gegen den Oberlandesgerichtsrat Marx vom Zentrum und den Redakteur Osterroht von der Sozialdemokratischen Partei bei einer Wahlbeteiligung von 94,5 %. Als Reichstagsabgeordneter beschäftigte er sich schwerpunktmäßig mit den Themen Industrie und Bergbau und trat darüber hinaus für die Reform des Invalidisierungsalters sowie für die Förderung der Luftschifffahrt ein. In den Ausschüssen zum Arbeitskammergesetz und zum Reichshaushaltsetat wirkte er ebenfalls mit.

Wenige Monate nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde nach der Einnahme der Festung Longwy durch die Deutschen am 31.10.1914 auf Anordnung des Reichskanzlers von Bethmann-Hollweg der „Ständige Industrielle Beirat“ gegründet. Seine Aufgabe war die Beratung des militärischen Gouverneurs der Festung Metz und Kommandierenden Generals des XVI. Armeekorps, Adolf von Oven, zuständig für die Verwaltung des Erzbeckens von Longwy-Briey, welches über große Vorkommen an Eisenerz verfügte. Das Deutsche Reich war bereits 1912 als zweitgrößter Produzent von Eisen und Stahl größtenteils auf Importe angewiesen, die mit Beginn des Krieges drastisch einbrachen. Neben Conrad von Schubert wurden die Industriellen Georg Frielinghaus, Friedrich Springorum, Emil Kirdorf, Karl Wilhelm von Oswald sowie Louis Röchling in den Beirat berufen und sorgten bis zum Rückzug der der deutschen Truppen im August 1918 für die reibungslose Lieferung der dringend benötigten Erze an die Rüstungsindustrie des Reiches.

Vor nunmehr hundert Jahren, am 9. November 1918, muss mit dem Untergang des Kaiserreiches und seiner Eliten auch für den General a.D. von Schubert eine geistige Welt zusammengebrochen sein, die ihn von Kind auf geprägt hatte und ihm durch hohe Auszeichnungen belegte, außergewöhnliche persönliche Erfolge gebracht hatte. Zu den höchsten Orden, die ihm verliehen wurden, zählten unter anderem der preußische Rote Adler Orden 2. Klasse mit Stern, Krone und Eichenlaub, das Ehrengroßkreuz des oldenburgischen Haus- und Verdienstordens, das Großkreuz des bayerischen Militär Verdienstordens, der preußische Kronenorden 1.Klasse sowie das Großkreuz des österreichischen Franz-Josef-Ordens. Eine besondere Ehrung für den Soldaten von Schubert bedeutete die Verleihung der Uniform des Garde-Pionier-Bataillons am 16. Juni 1913 anlässlich des 25-jährigen Regierungsjubiläums von Kaiser Wilhelm II.

Privat hatte er bereits vorher den Tod seiner Frau Ida zu beklagen, die am 22. Februar 1916 im Alter von 54 Jahren in Neunkirchen verstorben war. Das Ehepaar hatte von 1901 bis 1909 in Berlin W.10, Tiergartenstraße 4, in einem mit Vorkaufsrecht angemieteten Haus gelebt, ohne jedoch den Bezug zu Neunkirchen aufzugeben. Aus der Ehe gingen sieben Kinder hervor, darunter der älteste Sohn Carl, geboren 1882 in Berlin, der von 1924 bis 1930 als Sekretär von Gustav Stresemann im Auswärtigen Amt und später als Botschafter eine Diplomatenkarriere einschlug. Zuvor war er gemäß der militärischen Familientradition Offizier im Garde-Kürassier-Regiment und folgte darin dem väterlichen Vorbild, wie auch seine Schwestern Helene und Irmgard, die die beiden Brüder und Gardeoffiziere Bolko und Max Erdmann Grafen von Rödern heirateten.
Philipp Christian Theodor Conrad von Schubert starb am 21. Januar 1924 im 77. Lebensjahr in Berlin und wurde auf dem Friedhof Hasenheide beerdigt. Es war ihm gelungen, die Firma Stumm auch über die Inflationszeit ohne gravierende Verluste erhalten zu können. In einem militärischen Nachruf wurde er als „Soldat durch und durch, dem die technische Truppe sehr viel zu verdanken hat“ gewürdigt.
Mit Neunkirchen, wo er durch viele öffentliche Auftritte allseits bekannt und auch von politischen Gegnern aufgrund seiner Gradlinigkeit geachtet war, blieb er bis zu seinem Tod verbunden.

Quellen und Literaturangaben:
• Kurt von Priesdorff: Soldatisches Führertum. Band 10, Hanseatische Verlagsanstalt Hamburg, o.J.
• Mann, Bernhard (Bearb.): Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus 1867-1918. Droste Verlag, Düsseldorf 1988
• o. Verf.: Hundert Jahre Neunkircher ­Eisenwerk unter der Firma Gebrüder Stumm. Saarbrücken 1906
• o. Verf.: Fünfviertel Jahrhundert Neunkircher Eisenwerk und Gebrüder Stumm.
• Lehnen, Jakob (Hrsg.): Chronik von Neunkirchen. Jahrgang 1909-1913
• Gillenberg, Heinz: Karl Ferdinand von Stumm-Halberg. Ein Industriellenleben (1836-1901). Neunkircher Hefte Nr. 15, 2003
• o. Verf.: Biographische Notizen. Rheinprovinz. 1912
• reichstag-abgeordnetendatenbank.de
• Kaiserliches Statistisches Amt (Hrsg.): Statistik der Reichstagswahlen 1907. Verlag von Puttkammer und Mühlbrecht, Berlin 1907
• Rangliste der Königlich Preußischen ­Armee und des XIII. Württembergischen Armeekorps für 1902. Mittler u. Sohn, Berlin 1902
• Handbuch für das Deutsche Reich auf das Jahr 1905. Carl Heymanns Verlag, Berlin 1905
• Handbuch über den Königlich Preußischen Hof und Staat für das Jahr 1910.
R. von Deckers Verlag, Berlin 1909
• Hofmann, Hanns Hubert (Hrsg.) i.V. mit dem Militärischen Forschungsamt: Das Deutsche Offizierskorps 1860 – 1960. Harald Boldt Verlag, Boppard am Rhein 1980
• Exner, Moritz: Der Weg zum Einjährig-Freiwilligen und zum Offizier des Beurlaubtenstandes in Armee und Marine. Verlagsbuchhandlung von J.J. Weber, Leipzig 1897
 
Ein Bericht von Friedrich Wilhelm Strohm