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    Der Rechtsexperte informiert
Kanzlei Stopp Pick & Kallenborn berät Sie rund um Ihre Rechte
     
 
Liebe Leserinnen und Leser, auch in dieser Ausgabe wird Sie wieder Rechtsanwalt Andreas Abel von der Kanzlei Stopp Pick & Kallenborn in ihrem beliebten Stadtmagazin „es Heftche“® rund um ­Ihre Rechte informieren. Alle veröffentlichen Teile finden Sie auch im Internet unter es-heftche.de
    Damit mit dem Unternehmer nicht auch das Unternehmen stirbt
 

Als hätten Unternehmer nicht schon genug Probleme und Sorgen: der tägliche Kampf um Umsatz, der Streit mit dem Finanzamt, das Steigern der Effizienz, Kostendruck, immer strengere Compliance-Regelungen, die (verzweifelte) Suche nach gutem Personal und nach einem guten, geeigneten Nachfolger. Und dann kommt etwas völlig Unerwartetes: der Tod des Unternehmers – und es ist nichts geregelt.

Trotz oder gerade wegen des täglichen Kampfs um den Fortbestand des Unternehmens versterben Unternehmer häufig ohne klare Regelungen. Wie sieht es bei Ihnen aus? Sie fühlen sich (noch) nicht angesprochen? Sie denken vielleicht: „Ich habe vorgesorgt. Ich habe ja ein Testament!“. Dann können Sie sich leider noch nicht zurücklehnen. Werfen Sie mal einen Blick in Ihren Gesellschaftsvertrag.
Gesellschaftsrecht schlägt Erbrecht!
Das bedeutet, dass sich die Nachfolge in Ihre unternehmerischen Beteiligungen im Erbfall nicht zwingend nach Ihrem Testament, sondern nach Ihrem Gesellschaftsvertrag richtet. Und mal ehrlich: wann haben Sie dort zum letzten Mal reingesehen? Weder bei der Gründung, noch beim unternehmerischen Einstieg in ein anderes Unternehmen sieht man sich die Regelungen im Gesellschaftsvertrag für den Tod eines Gesellschafters an. Das ist zumindest meine Erfahrung in der Beratung von Unternehmern in Sachen Nachfolge und Tod.
Die meisten Gesellschaftsverträge enthalten zwar Regelungen, was mit dem Gesellschaftsanteil passiert, wen der Inhaber des Anteils stirbt. Doch sind diese sachgerecht? Und noch zeitgemäß?
Gleich mehrere Probleme bedrohen die Existenz des Unternehmens: Wollen die verbliebenen Gesellschafter, dass plötzlich andere Personen, die Erben des Verstorbenen, in der Gesellschafterversammlung sitzen und mitstimmen bzw. mitentscheiden dürfen? In der Regel lautet die Antwort: nein!
GmbH-Anteile sind von Gesetzes wegen vererblich. So weit, so gut! Doch was ist, wenn die Erben sich nicht einig sind und deshalb ihre Stimme in der Gesellschafterversammlung nicht wahrnehmen können/wollen, weil sie eben nicht mit einer Stimme sprechen? Das Unternehmen ist je nach Größe der vererbten Beteiligung möglicherweise entscheidungsunfähig – und sogar handlungsunfähig, wenn der Verstorbene die einzige geschäftsführungsbefugte Person war.
Wenn die Gesellschaft oder die verbliebenen Gesellschafter ein Vorrecht auf die Beteiligung (Einziehungs-, Vorkaufs- oder Andienungsrecht) haben, tritt für die Erben in der Regel an die Stelle der „weggenommenen“ Beteiligung eine Abfindung in Geld als Kompensation. Doch wie berechnet sich die Abfindung? Und hat die Gesellschaft ausreichend liquide Mittel, die Abfindung zahlen zu können?
Fragen über Fragen – für die es gute Lösungen gibt. Sie setzen allerdings voraus, dass die Probleme zu Lebzeiten des Unternehmers angegangen und gelöst werden. Nur bei sorgfältiger Analyse lassen sich die drohenden Belastungen durch Erbschaftsteuer oder Ertragsteuer im Falle der unbeabsichtigten Aufdeckung stiller Reserven durch den Erbfall erkennen und entschärfen.

Bei der vorsorgenden Beratung von Unternehmern ist deshalb einer meiner ersten Schritte neben der Prüfung der bereits existierenden Erbverträge/Testamente die Prüfung aller aktuellen Gesellschaftsverträge. Gleich ob es sich um ein operatives Geschäft oder um eine reine Grundstücksgesellschaft handelt.

Mein Tipp:
Nehmen Sie den Gesellschaftsvertrag mit nach Hause, nehmen Sie sich ein Glas Rotwein, einen Textmarker und arbeiten Sie sich an dem Vertrag ab. In maximal einer Stunde sind Sie durch. Und nehmen Sie im Anschluss fachanwaltlichen Rat in Anspruch. Dann können Sie sich zurücklehnen.

Andreas Abel ist Fachanwalt für Erbrecht und Fachanwalt für Steuerrecht in Saarbrücken bei der Kanzlei STOPP PICK & KALLENBORN. Er bearbeitet nahezu ausschließlich Fälle mit erbrechtlichem und steuerrechtlichem Hintergrund. Rechtsanwalt Andreas Abel ist im Jahr 2013 in die FOCUS-Liste der „Top-Juristen Deutschlands 2013 im Erbrecht“ aufgenommen worden. Weitere Infos erhalten Sie im Internet unter www.jure.de oder in Saarbrücken in der Nell-Breuning-Allee 6. Telefonisch erreichen Sie die Kanzlei unter der Nummer 0681-92675-0.

 
RA Andreas Abel