Zeitgeschichte im Spiegel einer Schulchronik
Aus der Chronik der Schule am Bahnhof 1888 – 1937
2. Teil
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Erklä̈rung des Kriegszustandes
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Voller Euphorie an die Front
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Liebesgaben ab Fabrik
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Neunkirchener Zeitung vom 14. August 1914
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Erbeutete französische Kanonen aus der Schlacht von Lagarde auf dem Saarbrücker Neumarkt im August 1914
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Anzeige in der Saar-Blies-Zeitung Nr. 278 1914
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Neunkirchener Zeitung Nr. 205
vom 5. September 1914
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Grabplatte am Familiengrab Ludwig
auf dem Hauptfriedhof Scheib
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Ehrenfriedhof Scheib
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Schulchronik Seite 37
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Russen
 
Kirsten geht es in erster Linie um seine Schule, die unmittelbar betroffen ist: „Der erste Mobilmachungstag war der 2. August, ein Sonntag, zunächst wurde der Landsturm aufgefordert sich zu stellen. In den hiesigen Zeitungen, durch Plakate und durch die Schelle wurden die Truppen, der Ort und die Stunde der Gestellung bekannt gegeben. Wie das Räderwerk einer Uhr vollzieht sich alles mit größter Ruhe und Ordnung. Eine fieberhafte Tätigkeit herrscht auf dem Bürgermeister- und Polizeiamte. Ordonanzen kommen und gehen. Die erste Einkleidung und feldmäßige Ausrüstung geschah am 3. und 4. August im Bachschulhause, weil dort die Montierungskammern waren. Da aber die Bachschule zu einem Lazarette ausersehen ist, so geschehen vom 5. August ab die Einkleidungen im Schulhause am Bahnhof. Der Westflügel dieses Schulhauses dient als Wache, der Ostflügel dient anderen militärischen Veranstaltungen. Tag und Nacht stehen dort Posten mit geladenem Gewehr. Herr Oberleutnant Neu von hier benützt als Kompanieführer das Dienstzimmer des Rektors als Büro. Vom Schulhof aus beziehen die Mannschaften ihre Posten in der Umgegend, teils zur Bewachung der Eisenbahn und der Brücken und Tunnels, teils zur Beobachtung der Landstraßen und Waldwege, um alles Verdächtige fernzuhalten und Unheil zu verhüten. Der Aufmarsch unserer Truppen vollzieht sich in Ruhe und Sicherheit. Ungeheure Militärtransporte eilen der Grenze zu. In der Nacht auf Freitag den 7. August sollen 44 Militärzüge den hiesigen Bahnhof passiert haben.“ 9)

Zeitungen berichten nicht nur enthusiastisch. So druckt die Neunkirchener Zeitung am 20. August 1914 den Bericht eines einrückenden Landwehrmannes wieder:
„Samstag war es. Ernst hatte man die Erklärung des Kriegszustandes aufgenommen, man fürchtete bereits den Feind in nächster Nähe, fürchtete für sich, für Heimat, für Vaterland. Und dann nach langem und bangem Warten während der kurzen Zeit von nur 24 Stunden kam der Befehl zur Mobilmachung. Fast waren die Straßen zu eng, um die neugierig-erregte Schar zu fassen, die alle des Königs Aufruf lasen und dann politisch zu kannegießern begannen. Unruhe – erinnernd an die so benannte Feder der Uhr – hält heute den Schlaf auch von dem Müdesten fern. Bis tief in die Nacht hinein dauert heute das Hasten und Jagen. In der Kirche hat heute Abend die ewige Lampe langdauernde Gesellschaft. Männer füllen die Kirche, um ihre Abrechnung mit dem höchsten Kriegsherrn zu halten, ehe die Trommel zum Abschied ruft. Es ist wirklich erhebend, wie so die kaiserliche Mahnung Wahrheit und Wirklichkeit wird: Geht in die Kirche und betet für das brave Heer! Gottesfurcht als Grundlage der Königsliebe bannt gar die Kriegsfurcht, und mancher, der in der langen Friedenszeit nicht allzu viel nach dem Weltlenker zu fragen schien, findet in diesen Tagen den rechten Weg wieder, findet noch mehr: Friedensstimmung der Seele, des Geistes mitten in all dem kriegerischen Treiben. So wirkt auch hier der Krieg auch Gutes…
Der Gedanke einer Trennung von Haus und Familie ist schwer, der Abschied von all unsern Lieben vielleicht für immer noch schwerer; er wird nur von der glaubensfrohen Hoffnung auf des Himmels Schutz und letzten Endes von dem hoffnungsvollen Glauben an das ewige Wiedersehen im Paradiese des Friedens verklärt und leichter gemacht. Dieser Trost erleichtert vor allem den ältern Jahrgängen, zumal der Landwehr, den Abschied von der Familie.
Als Landwehrmann von 35 Jahren machte auch ich am dritten Tage mobil. Ich war es eigentlich vorher schon. Doch ging es an diesem Tage erst zur Gestellung. St. Wendel war mein erstes Ziel. Dort wollte man mich um 11 Uhr begrüßen. Launisch, wie die Bahn in dieser Zeit nun einmal ist, forderte sie mich bereits gegen 5 Uhr morgens zur Mitreise auf. Trüb war der Himmel, als wolle er unseren Abschiedsschmerz teilen, trüber vielleicht, weil wir ihn durch die schwarze Brille des Abschiedes betrachteten. Auf dem Bahnhofe hatten sich zahlreiche Wehrpflichtige mit ihren Angehörigen eingefunden; etwa 35 – 40 Schüler wollten in früher Stunde noch ihrem Lehrer Lebewohl sagen. Das Bild gefiel mir besonders, denn es zeigt, dass auch Lehrer und Schüler in ein – sagen wir: geistiges – Verwandtschaftsverhältnis treten, wenn auch die Liebe manchmal in ihren letzten Äußerungen greif- und fühlbare Gestalt annimmt, die bei jedem Teilnehmer undefinierbare Gefühle der Unlust erwecken. Zum andern beweist mir der Umstand auch, dass unsere Jugend mit derselben Begeisterung den kommenden Tagen entgegensieht wie die Erwachsenen, und Begeisterung ist doch das Beste, was die Geschichte überhaupt wirken kann. Langsam setzt sich der Zug in Bewegung; noch einmal ein letzter langer Blick: die Trennung ist vollzogen, der Abschiedsschmerz überwunden; denn im Nebenabteil klingt aus tiefen Männerkehlen kräftig und frei: „O Deutschland hoch in Ehren” zu uns herüber. Mit jeder Station vergrößert sich die Zahl der Kriegsfahrer, und in Neunkirchen wird der Zug gefüllt, um nicht zu sagen: überfüllt. St. Wendel war heute die Endstation. Das sonst so stille Landstädtchen ist heute wie umgewandelt: ein Hasten und Treiben, ein Rennen und jagen, wie es sonst nie dort herrscht. Dichtgedrängte Scharen ziehen dem Bezirkskommando zu. Von dorther kommen ganze Abteilungen Reservisten und Landwehrleute in geordnetem Zuge, um nach den verschiedenen Garnisonorten befördert, dort eingekleidet und nach dem westlichen Kriegsschauplatz gebracht zu werden. Von verschiedenen Seiten her bringen Landsturmleute die angekauften Bauernpferde. Die meisten Landstürmer tragen schon die Uniform der 7. Ulanen; es scheint aber, als ob die schlanke Taille der wackern Reiterschar in den Reserve- und Landwehrjahren beträchtliche Not durch Ausdehnung der Dimensionen gelitten habe. Immerhin aber und das ist die Hauptsache, werden die alten Leute auch mit den störrischsten Gäulen fertig, und der alte Reitergeist prägt sich gar auf den Gesichtern aus. Über all unsern Betrachtungen und Plaudereien mit Bekannten fließt die Zeit sehr rasch dahin, und um 11 Uhr geht es zum Verleseplatz. Nach Erledigung der nötigen schriftlichen Arbeiten marschiert unsere Abteilung nach dem Bahnhof zurück, um zur Ausrüstung nach Saargemünd gebracht zu werden.
Die Haltezeit des Zuges in Neunkirchen bringt ein neues Bild: In langen Reihen bemühen sich Damen und Herren aus Neunkirchen den scheidenden Kriegern noch einmal Liebesdienste zu erweisen. Man reicht ihnen Kaffee, Brötchen, Zigaretten usw. und überbietet sich gegenseitig in Freundlichkeiten aller Art …” 10)
Man ist sich des Ernstes der Lage eher nicht bewusst. Es klingt alles etwas nach Kriegsspiel, das bis Weihnachten entschieden und das natürlich das Deutsche Reich gewinnen werde. „Sobald mobilgemacht wurde, traten die vaterländischen Vereine in Tätigkeit. Der vaterländische Frauenverein unter der Leitung des Gymnasialdirektors Herrn Wernicke rief die Frauen und Töchter Neunkirchens auf den Plan zur Austeilung der Liebesgaben an die nach der Westgrenze eilenden Truppen. Auf dem hiesigen Bahnhof waren Tische aufgestellt, welche die Liebesgaben: Zigarren, Tabak, belegte Brötchen aller Art, Kaffee, Bouillon usw. trugen, um die hungrigen und durstigen Vaterlandsverteidiger zu erquicken. …Vereine und Private wetteiferten miteinander, milde Gaben auf den Altar des Vaterlandes zu legen. So stellte der hiesige Lehrerverein seine ganzen Ersparnisse von 550 M und die Gesellschaft Erholung aus ihrem Fonds 600 M, der Neunkircher Schützenverein 300 M dem Roten Kreuz zur Verfügung. Ein edler Wetteifer durchdringt alle, wer viel hat gibt reichlich, wer wenig hat, gibt auch das Wenige gern. 11) ➥
„Auch das Train-Bataillon12 in vielen Etappen durchzog die Wellesweilerstraße nach dem Kriegsschauplatz im Westen. Jede Kolonne hatte 200 bis 300 Wagen, beladen mit allem möglichen Proviant, denn die Millionenheere verzehren pro Tag schon ein ordentliches Quantum. Bewundert wurde das vorzügliche Pferdematerial. Aber es ist bei uns alles bis ins Kleinste geregelt, mit Mut und Gottvertrauen vorwärts, es wird sich alles zum Guten wenden. Die Feldpost ist im Hauptpostamt stationiert. Wohl sind es erwartungsvolle Tage, wie die Augusttage von 1870, in denen wir jetzt leben, und vielen dauert die Geschichte zu lange, ehe sie von Siegesnachrichten vernehmen. Die oberste Kriegsleitung wird es ja am besten wissen, wann die Zeit zum Losschlagen gekommen ist. Gestern, am 15. August verbreitete sich das Gerücht, 7 von den 12 Forts der starken Feste Belfort seien in deutschen Händen. Warten wir die Bestätigung ab.
Nach 12 schönen, sonnigen Tagen ist heute der 16. August, ein trüber Regentag und das Laub der Linden und Kastanien welkt und fällt zur Erde; dieses weckt wehmütige Gefühle in der Brust, denn in den nächsten Tagen werden Tausende hinsterben und ins Grab sinken. Aber süß und ehrenvoll ist der Tod fürs Vaterland.” 13)
1914 rechnet man mit einem schnellen Sieg über den Feind. Die ersten Depeschen „über den Draht” – so nannte man die Telegrafie damals – stimmten positiv. „…rief eine große Begeisterung in Neunkirchen hervor, und die Bewohner beflaggten ihre Häuser.”14)
„Nachdem der bayrische Kronprinz Ruprecht in einer viertägigen Schlacht die Franzosen bei Metz vollkommen geschlagen und aus Deutschland wieder hinausgeschlagen hatte, begannen die Deutschen in fünf Armeen ihren Vormarsch nach Frankreich. Dieser gewaltige Vormarsch war nicht mehr aufzuhalten und jetzt, da dieses Schriftstück geschrieben wird, stehen die deutschen Armeen bereits vor Paris.” 15)

Nur ganz allmählich beginnt die Stimmung zu kippen.
„Fast jeden Tag kommen kleinere und größere Trupps von Leichtverwundeten hier an, und die Spitäler beginnen sich allmählich zu füllen. Im Übrigen ist es ruhig und jeder geht seinem Gewerbe nach.” 16)
Die ersten Verwundetentransporte waren aus Lagarde zwischen Sarrebourg und Pont-à-Mousson gekommen, wo am 11. August 1914 das deutsche Heer das französische besiegt hatte, übrigens ein letztes Mal in der Geschichte durch einen Kavallerieangriff.
In den Kinos laufen schon die ersten Kriegsfilme, die den Patrioten in der Heimat Deutschlands Überlegenheit auch im „laufenden” Bild beweisen sollen.
Das deutsche Vaterland muss in der damals vorherrschenden Geisteshaltung den Krieg gewinnen. Man fühlt sich kulturell überlegen, missversteht auch das Zitat von Emmanuel Geibel, dass „am deutschen Wesen die Welt genesen” mag. So erwähnt Kirsten einen Bericht der Neunkirchener Volkszeitung vom 4. September 1914 über die Bestattung zweier französischer Krieger

Fern der Heimat
Im Viktoriahospital liegt eine Anzahl verwundeter Franzosen, von denen zwei ihren Verletzungen erlegen sind. Es sind der Infanterist Cabot vom 150. Regiment und der Infanterist Léon Barré vom 60. Regiment. Gestern Nachmittag wurden sie fern der Heimat in deutscher Erde zur letzten Ruhe gebettet. Deutsche Kultur und Gesittung trat dabei besonders in Erscheinung. Die hiesigen Militärvereine waren sämtlich durch Abordnungen vertreten, um den französischen Soldaten, die, obwohl sie von einer verbrecherischen Regierung in einen wahnwitzigen Krieg getrieben wurden, trotzdem den ehrenvollen Tod für ihr Vaterland gestorben sind, die letzte Ehre zu erweisen. Die beiden einfachen Särge empfing unter präsentiertem Gewehr der Gewehrsektion ein Choral der Kapelle „König”, worauf die Einsegnung nach katholischem Ritus erfolgte.
Darauf setzte sich der Zug nach dem Kriegerfriedhof in Bewegung, wo die beiden toten Gegner unter den üblichen Zeremonien und dem letzten Salut der Gewehrsektion beigesetzt wurden.
Aus dem Fenster ihrer Lazarettzimmer sahen die übrigen Franzosen dem ihnen ungewohnten Schauspiel zu; sie werden dadurch wohl den Eindruck gewonnen haben, dass die Deutschen keineswegs die Barbaren sind, wie sie ihnen stets von ihrer verlogenen Hetzpresse geschildert worden sind. Und wenn sie später in ihre Heimat zurückkehren und dort von der Ehrung ihrer Toten erzählen, um so wenigstens in einem kleinen Kreise als Prediger der Wahrheit zu wirken, dann wird vielleicht die gestrige Trauerfeier wenigstens etwa einige kulturelle Früchte tragen.” 17)
„Die Straßen Neunkirchens sind beflaggt, überall hohe Begeisterung. Vom westlichen Kriegsschauplatz meldet Generalquartiermeister von Stein: Berlin, den 24.8. „Die Truppen, die unter Führung des Kronprinzen von Bayern in Lothringen gesiegt haben, haben die Linie Lunéville – Blâmont – Cirey überschritten…” 18)
„Am Dienstag den 4. Mai abends 9 Uhr läuteten die Glocken von allen Türmen Neunkirchens, den großen Sieg der Verbündeten in Galizien und den Karpaten verkündend. Die Telegramme und Extrablätter berichten die Durchbrechung und Aufrollung der russischen Front, die Verfolgung der Feinde und die Gefangennahme von 30000 Russen. Die Schulen feierten den Sieg am 5. Durch Lieder und Ansprachen und durch Aussetzung des Unterrichts. Am 6. Mai wurde wegen des Geburtstages des deutschen Kronprinzen auf Befehl des Herrn Landrats der Unterricht ebenfalls ausgesetzt, nachdem durch Lied und Deklamation resp. Ansprache die Bedeutung des Tages gewürdigt wurde.” 19)
Den weiteren Verlauf des Krieges, wie ihn Kirsten schildert, möchte ich hier ausklammern bis auf die völlig neuen Kriegserfahrungen, die auch die Neunkircher Bevölkerung machte. Im Laufe der Jahre treten an die Stelle der Siegesfeiern immer mehr schlechte Nachrichten.
„Unter großer Beteiligung der Bürger Neunkirchens gestaltete sich die Beisetzung des Sohnes unseres verehrten Herrn Bürgermeisters, des Rechtsanwaltes Karl Ludwig in Mayen, Leutnant d. R. des 23. Bayrischen Infanterieregiments, Inhaber des Eisernen Kreuzes 2. Klasse. Er erlitt in Roubaix in Nordfrankreich den Tod fürs Vaterland am 10. November 1914.
Ebenso feierlich war die Beerdigung des Hüttenbeamten Walter Eisenbeis, Leutnant d. R. und Kompanieführer im 3. Lothringischen Infanterieregiment Nr. 135, Inhaber des Eisernen Kreuzes, der seiner Verwundung bei einem Sturmangriff in den Argonnen im hiesigen Knappschaftslazarett erlag und am 17. März 1915 auf dem Kriegerkirchhof beigesetzt wurde.
Bei beiden Beerdigungen gaben eine ganze Kompanie und viele Offiziere das Ehrengeleite. Die Militär- und Turnvereine waren vollständig vertreten und füllte der Trauerzug den Raum zwischen der katholischen Kirche und der oberen evangelischen Kirche ganz aus.” 20)
Am 14. August wird die erste Verlustliste herausgegeben; am 28. September ist es schon die 32. Liste!
„Nach dem Bericht der „Ehrentafel” starben bis heute den 12. April 1915 in der Bürgermeisterei Neunkirchen 225 Mann den Heldentod fürs Vaterland. Manche Familien werden hart getroffen. So verlor Witwe Bunn von hier von 4 Söhnen, die im Felde standen, die 2 ältesten, von denen der eine das Eiserne Kreuz erhielt, der andere zum Unteroffizier befördert worden war, und eine Familie Husting auf dem Schloss musste ein Blutopfer von drei Söhnen bringen. Wer kann den Kummer und das Leid ermessen, das die Zuchtrute des Krieges den in Mitleidenschaft gezogenen Familien bereitet! Flehentlich beten wir in der Litanei: „Vor Pest, Hunger und Krieg bewahre uns, o Herr!”
Ein eher nebensächliches Detail aus der Chronik trägt die Überschrift „Russen”: „Die Firma Gebrüder Stumm hat „200 gefangene Russen” in Dienst gestellt. Ich meine nicht das Ungeziefer, das man in Neunk[irchen] allenthalben mit diesem Namen bezeichnet, sondern russische Gefangene, die natürlich auch voll Ungeziefer sind. Zuerst wurden die Leute einer gründlichen Reinigung unterzogen. Sie wurden geschoren, rasiert, erhielten ein Brausebad und ganz neue frische Wäsche und Kleider.
Auf dem Spatzenhügel hat ihnen die Hüttenverwaltung eine neue und schöne Baracke errichtet; dort wohnen und schlafen sie. Ihre Beköstigung ist gut, aber einfach. Der Staat erhält für jeden Mann von der Hütte 3,50 M, macht also ein gutes Geschäft. Die Gefangenen selbst sollen außer freier Station täglich 25 Löhnung erhalten. Die Russen sind mit ihrem Schicksal zufrieden.” 21)
„Im Geschäftsleben geht alles seinen geregelten Gang. Grube und Hütte haben eine Überfülle an Aufträgen, nur fehlt es an werktätigen Händen, weil viele zur Fahne „gemusst”. Viele sind auch als unabkömmlich reklamiert worden. Die fürchterlichen Kämpfe kosten eine Unmasse von Munition und die Vorräte gehen zur Neige. Wenn kein Pulver und Blei mehr vorhanden ist, dann hört das Schießen von selbst auf. Dahin dürfen wir es nicht kommen lassen. Unsere Hütte beschäftigt sich daher mit der Herstellung von Granaten und sind militärpflichtige Dreher von der Verwaltung beurlaubt. Die Leute verdienen ein schönes Stück Geld. Auch in der Schlosserei des Herrn Stro[h]m werden Granaten hergestellt. Lieb Vaterland magst ruhig sein!” 22)

Weitere interessante Infos zum HVSN und zu den Vorträgen erhalten Sie im Internet unter www.hvsn.de.
Ein Bericht von Jürgen Cornely
Ende des 2. Teils
Fortsetzung folgt