Das Maschinenbaumuseum Herzog
Ein denkmalgeschützes Museum in Neunkirchen 1. Teil
 
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Philipp Herzog (1908–1981)
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Firmensitz in Neunkirchen Zweibrücker ­Straße 64
im Hof Vorderseite der Werkhalle
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Werbeprospekte für die kombinierte ­Kreissäge
mit Bohrmaschine und Fräse
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Werkstatt aus Richtung Kreisverkehr
Kirkeler Straße / Zweibrücker Straße
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Rückseite des Werkstattgebäudes
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Ständerbohrmaschine „Amerikanische Art“
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Erste jemals von Philipp Herzog um 1930
zusammengebaute Kreissä̈ge
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Herzog Tischkreissäge Model HNS TKS, Bj. 1957
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Herzog Kreissäge, Modell HNS KKLF III
Kombinierte Kreissäge m. Bohrmasch. + Fräse
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Herzog-Kreissäge Model KL F4, 497. Maschine, Bj. 1963
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Maschinenbügelsäge Marke National,
Bj. ca. 1870
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Selbstgebaute Kreissägeblatt-Schleifmaschine
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Ständerschleifbock HNS
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Ständer-Schleifbock, Marke Greif
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Hydraulische Maschinenpresse
Teileigenbau von 1960
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Universalbohrwerk Favorit Bohrwerk-Union aus den 1930er-Jahren
 

Philipp Herzog gründete durch eine Gewerbeanmeldung, datiert auf den 18. Juni 1929, einen zunächst als Fahrradreparaturgeschäft bezeichneten Handel, welcher nach und nach zu einem Fahrradneuhandel, dann zu einem Taxameterbetrieb, einem Kfz-Reparaturbetrieb, kurzzeitig sogar mit angeschlossenem Marken-Kfz-Autohaus (BMW) und schließlich dann bzw. parallel dazu zu einem Maschinenbaubetrieb umfirmiert wurde und sich ab 1939 am heutigen Standort befand.
In der Firma wurden einerseits Maschinen entwickelt, gebaut und es wurde Handel mit ihnen getrieben. Andererseits wurden Auftragsarbeiten für Fremdfirmen durchgeführt, z. B. für die Bergwerke im Raum Neunkirchen.

Der Maschinenbaubetrieb im engeren Sinne (für Holzbearbeitungsmaschinen) funktionierte nach folgendem Prinzip: Konstruktionsideen wurden in Zeichnungen ausgearbeitet, die in der Anfertigung von Großmodellen mündeten, welche wiederum zur Anfertigung von Gussrohteilen benötigt wurden (Fremdleistung). Durch zusätzlichen Erwerb von Elektromotoren wurden dann, die vor Ort bearbeiteten und mit angefertigten Kleinteilen ergänzten Rohteile zu Endprodukten komplettiert.
Die Produktpalette beinhaltete mehrfach kombinierte Kreissägen (erweitert durch Bohr-, Fräs-, Hobel- und mit oder ohne Schleiffunktion), Einzelfunktionen der genannten Arten, aber auch Bandsägen und Drechselbänke. Darüber hinaus war die Firma auch immer durchgehend als Zulieferer und Teilebearbeiter für den saarländischen Bergbau und den örtlichen Anlagenbau tätig. Für die letztgenannte Branche fertigt der heutige Inhaber, der Enkel des Firmengründers, als Einmann-Betrieb (aufgrund berufsgenossenschaftlicher Einschränkung) immer noch Einzelteile bzw. Kleinserien, wenn auch noch als Teil- bzw. Nebenerwerb.
Als Höhepunkt des einstigen Kundenmaschinenprogramms ist ein in der Nachkriegszeit erworbener Patentschutz zu nennen, erhalten für eine kombinierte Kreissäge mit Bohrmaschine und Fräse angetrieben von nur einer Arbeitswelle.

Die Firma steht seit 2010 unter Denkmalschutz und ist seit 2014 Mitglied im Saarländischen Museumsverband.
2013 belegte man durch die Restauration des historischen Firmenfahrzeuges, einem VW T1 Pritschenwagen, den zweiten Platz in der für diese Art von Denkmal zuständigen Kategorie des Saarländischen Denkmalschutzpreises.
2015 wurde man im Rahmen der Neunkirche Wohlfühloasen mit einem Sonderpreis für die Verwirklichung einer Verflechtung von Denkmalschutz mit Naturschutz ausgezeichnet.

Besichtigungsmöglichkeiten bestehen jedes Jahr am Internationalen Museumstag im Mai sowie jährlich am Tag des offenen Denkmals und nach sonstiger Terminabsprache.

Philipp Herzog kaufte fast nur gebrauchte Maschinen für seine Produktion. Darunter waren auch von Schrottplätzen erworbene unvollständige Maschinentorsos, die erst wieder funktionsfähig gemacht werden mussten. Daher ist der historische Maschinenbestand zum Teil erheblich älter als die Werkhalle und geht in Teilen bis ins Jahr 1870 zurück.

Gründe für den nahezu unveränderten Zustand des Erstinventars über drei Generationen von Betreibern:
In der ersten Generation Sparsamkeit und unternehmerischer Starrsinn.
In der zweiten Generation Ratlosigkeit nach plötzlicher Erbübernahme (nachdem man beruflich bereits anderweitig orientiert war) und deswegen weiteres Laufenlassen eines provisorischen Nebenerwerbs.
In der dritten Generation die Erkenntnis des historischen Wertes, Liebe zum unveränderten Erbe und erneut unternehmerischer Starrsinn.

Nach Umsiedlung der 1929 gegründeten Firma an den heutigen Platz in der Zweibrücker Straße in Neunkirchen im Jahre 1939, wurde ein erster Hallenbau, kürzer als der heutige Bau und lediglich eingeschossig, in den Jahren 1940 bis 1942 errichtet.

Dieser wurde nach Behebung von Kriegsschäden, in den 1950er Jahren verlängert und um ein Obergeschoss aufgestockt. Als letzte Ausbaustufe erfolgte dann noch ab dem Jahr 1962 der Bau einer vorgesetzten Kfz-Pflegebox und seitlich daran anschließend eine Dreifachgarage. Im Jahr 1997 wurde aufgrund starker Fugenauswaschungen ein Vollverputz des ehemals steinsichtigen Gebäudes unumgänglich. Dies wurde mit einer Dachneueindeckung kombiniert. Mit Ausnahme von nur drei neuzeitlichen nach 1980 erfolgten Maschinenneueinbauten welche natürlich (noch) nicht unter Denkmalschutz stehen, findet man heute im Kernbau auf zwei Ebenen mit insgesamt über 500 qm Ausstellungsfläche einen authentischen Schauzustand einer kleinen Hinterhofmaschinenbauwerkstatt der vom Landesdenkmalamt als denkmalrelevant erkannten Zeitepoche der Jahre zwischen 1920 und 1970 vor. Im Rahmen einer Gesamtbetrachtung der ebenfalls bereits vor 1970 errichteten historischen Außenanlagen (Kfz-Pflegebox mit Hebebühne, Garagen und ein mit Industriekulturelementen errichtetes Hühnerhaus) kommt man insgesamt auf über 600 qm bebauter Industriekulturfläche.

Hinter den Gebäuden findet man heute auf ca. 2750 qm nicht mehr bewirtschaftete Wiesenflächen des gleichen Eigentümers, welche in naturpflegerischer Art und Weise mit dem Firmengebäude in Wechselwirkung stehen. Einerseits speisen die Dachabwässer das nicht an die Kanalisation angeschlossenen Denkmals Gartenteiche. Andererseits bietet das Denkmal durch sein nicht isoliertes und von außen zugängliches Dachgebälk zahlreiche Brut- und Winterquartiermöglichkeiten für viele Vögel. Dies reicht von der Sommerbrut von Rotschwänzen (ausgewiesenen Spalt- und Höhlenbrütern) bis hin zu Schleiereulen, die ab und zu im Denkmalgebälk überwintern. In der durch das Denkmal befeuchteten Wiese findet man regelmäßig Erdkröten und Bergmolche, aber auch Igel und Blindschleichen.
Der heutige Eigentümer sieht diese Gesamtkomposition als die ideale Verbindung von Denkmalschutz und Naturschutz an.

In den beiden Etagen des Werkgebäudes steht eine ganze Reihe unterschiedlicher Maschinen und Werkzeuge, die alle funktionsfähig sind und vom Firmeninhaber auch noch genutzt werden. Dabei handelt es sich teils um Maschinen, die vom Firmengründer in der Produktion verwandt wurden, teils um Maschinen, die oft serienmäßig zum Verkauf hier hergestellt wurden.

Einige der historisch oder technisch interessantesten Stücke aus der umfangreichen Sammlung sollen hier vorgestellt werden:

Ständerbohrmaschine „Amerikanische Art“, Marke Typenschild „Gebr. Madert“
Eine sogenannte „Ständerbohrmaschine amerikanischer Art“, welche um 1870 in Amerika zur Patentreife gebracht wurde und die seinerzeitige Standardform für Ständerbohrmaschinen darstellte. Maschinen dieser Art wurden weltweit in diversen Varianten für Transmissionsantrieb bis 1914 gefertigt.
Beim Transmissionsantrieb ist es üblich, dass die Maschine für einen Betrieb über einen Elektromotor eingerichtet ist, sie jedoch über keinen eigenen Motor verfügt, sondern es vielmehr so ist, dass ein in der Werkstatt zentral angebrachter Motor, der mehrere bzw. alle Maschinen antreibt, über Flachriemenübersetzungen antreibt. Dabei wird die Kraft des Motors durch Ein- und Ausdrückhebel zur jeweils gewünschten Maschine geleitet.

Diese bis 1914 gefertigte Maschinenart wurde nach 1918 oft mit technischen Neuerungen versehen und auf Einzelmotorisierung umgerüstet. Das hier vorhandene Objekt wurde aufgrund der Art seines Motoranschlusses wahrscheinlich in Deutschland um 1900 gefertigt.
Die heute noch existierende und weiterhin in Saarbrücken ansässige Handelsfirma Madert wurde erst 1924 gegründet und fertigte selbst keine Maschinen an. Die hier vorhandene, nachweislich ältere Maschine wurde also wahrscheinlich nachträglich mit dem vorhandenen Typenschild versehen.

Kreissäge Eigenbau, Bj. um 1930
Diese erste jemals von Philipp Herzog zusammengebaute Kreissäge wurde damals noch im heimischen Elternhaus im Neunkircher Stadtteil Kohlhof montiert und blieb für den familiären Eigenbedarf auch nach dem Auszug von Philipp Herezog dort zurück. Im Jahre 2000 zog Jakob Herzog, der jüngste Bruder und noch am längsten im Familienstammhaus lebende Familienangehörige altersbedingt aus. Im Zuge dieses Auszuges wurde diese Kreissäger den Erben von Philipp Herzog als „Museumsspende“ zurückgegeben und steht seither in der Werkstatt in der Zweibrücker Straße auf dem Platz, auf dem jahrzehntelang die Serien-Kundenmaschinen endmontiert wurden. Dort steht sie heute neben mehreren zurück erworbenen Kreissägen ehemaliger Kunden, deren einfach gehaltener Urahn sie ist.

Herzog Tischkreissäge HNS TKS, Bj. 1957, Serien-Nr.: 11/57/391
Einfache Tischkreissäge mit Höhenverstellung des Sägeblattes und Neigungseinstellmöglichkeit der Tischplatte. Ansonsten jedoch nur für kleinere Sägearbeiten geeignet.
Diese ehemalige Verkaufsmaschine wurde im Rahmen einer Teilnahme am „Tag des offenen Denkmals von einem Besucher als „Gastgeschenk“ mitgebracht. Die Maschine wurde ihm zuvor zum Verschrotten angeboten, doch zum Glück wurde sie durch das noch vorhandene Typenschild als Herzog-Maschine identifiziert und deswegen vom späteren Spender für das Denkmal „Maschinenbau Herzog“ aufgehoben. Diese Rückgabe erfolgte 2015.

Herzog Kreissäge HNS KKLF III
Diese Maschine stellt die vermutlich am häufigsten produzierte Standardkundenkreissäge dar und lässt durch die Verwendung von zwei Arbeitswellen, die teilweise an beiden Enden mit Werkzeugaufnahmen bestückt sind und die beide mit nur einem Motor betrieben werden können, weil dieser schwenkbar gelagert ist, sich als Säge, Bohrmaschine und Fräse verwenden. Die Maschine wurde 1960 in einer Stückzahl von 8 Exemplaren gebaut und innerhalb von 2 Monaten verkauft.

Nachdem jahrelang bedauert wurde, dass keine vollständig bzw. gut erhaltene Standardkundenkreissäge mehr vorhanden war, meldeten sich innerhalb eines Jahres zwei Witwen, die ihre Maschinen zum Rückkauf anboten. Eine dieser Maschinen war in einem perfekt erhaltenen Auslieferungszustand. Bei der zweiten Maschine mussten einige Teile ergänzt bzw. neu angefertigt werden.

Hauseigene Herzog-Kreissäge KL F4, Bj. 1963
Die Maschine trägt die Seriennummer 9.63.497, war also die 497ste Herzog-Maschine. Sie ist mit Vollausstattung eine kombinierte Kreissäge mit Bohrmaschine und Fräse, ähnlich dem Verkaufsmodell KKLF III mit Gusssockel.
Diese im Obergeschoss stehende Modell besitzt jedoch schon das moderne Gehäuse, welches auf der zum Teil selbst gefertigten Hydraulikpresse gepresst wurde. Die Kombinationsmöglichkeiten mehrerer Werkzeugarten durch einen schwenkbar gelagerten Motor sind auch hier (bei Vollausstattung) vorhanden. Jedoch wurde die Gesamttechnik noch einmal in der Form weiter vollendet, dass die Maschine nur eine Arbeitswelle aufweist, die mit dem Motor gemeinsam mitschwingt und dann verschiedene Befestigungsmöglichkeiten für Werkzeuge an verschiedenen Durchbruchsstellen des Gehäuses bietet. Dies war eine entscheidende Verbesserung zum Modell KKLF III. Dieses Funktionsprinzip des Modells KL F4 mit nur einer Arbeitswelle war seinerzeit für Maschinenbau Herzog patentgeschützt.
Dieses vorhandene Modell weist leider keine Vollausstattung auf, sondern wurde für firmeneigene Zwecke nur in seiner Grundfunktion als einfache Säge benutzt. Mit der Maschine wurden im Obergeschoss der Werkstatt die mit der Bahn verschickten Maschinen reisefertig verpackt (Holzkasten).
Dieses letzte Modell von Herzog-Kreissägen wurde bis in die frühen 1980er Jahre verkauft mit einem Preis (als Vollausstattungsmodell) von rund 4.000 DM.
Zurzeit befindet sich gerade eine HNS JK F4 in der Restauration, die im Herbst 2018 von einem Schrotthändler zurückerworben wurde. Die Grundsubstanz dieses Exemplars befindet sich in einem besseren Zustand als die abgebildete. Nach Reproduktion und Wiedermontage zurzeit noch fehlender Anbauteile wird dieses Exemplar in Zukunft den Vollausstattungszustand der Herzog „Patent-Kreissäge“ dokumentieren können, des Höhepunktes der selbst konstruierten Maschinen der Fa. Herzog.

Maschinenbügelsäge,Marke National, Bj. ca. 1870
Dies ist die wahrscheinlich älteste Maschine der gesamten Anlage. Ihr Alter wird von Maschinenbauexperten auf ca. 1870 geschätzt. Im Erdgeschoss des Gebäudes wurden ständig zu schneidende Verbrauchsmaterialien gelagert. Für die dann in den 1950er Jahren die neue Maschinenbügelsäge „Kasto“ angeschafft wurde. Die alte „National“ wurde zum Glück nicht ausgemustert, sondern in das Obergeschoss verbracht, da man dort selten verwendetes Sondermaterial, bisher ohne Sägegelegenheit verwahrt hatte. Dort wurde die alte Maschine dann weiterhin betriebsbereit gehalten.

Interessantes Detail der „National“ ist, dass sie über kein konstruktives Element verfügt, mit dem „von innen heraus“ Druck auf das abzusägende Werkstück ausgeübt wird, um den Sägevorgang zu beschleunigen. Dies ist bei heutigen Maschinenbügelsägen Standard. Stattdessen verfügt sie über ein Verschiebegewicht, welches einfach oberhalb des Sägeblattes verschiebbar angeordnet ist und dadurch Sägedruck aufbaut. Ursprünglich für Transmission gebaut wurde auch diese Maschine nach dem Ersten Weltkrieg mit eigenem Motor versehen.
Leider konnten bisher keine Informationen zu einem historischen Maschinenproduzenten des Namens „National“ gefunden werden. Die Marke scheint es schon lange nicht zu geben. Man kann jedoch von einer deutschen Marke ausgehen, da an der Säge deutsche Bezeichnungen zu finden sind, zusätzlich zu einer Händlerplakette der Fa. Gebrüder Madert.

Selbstgefertigte Kreissägeblatt-Schleifmaschine
Bei dieser selbst gefertigten Maschine treibt ein Motor über Keilriemen eine unter ihm gelagerte Welle an, die in einer einfachen Aufnahme für eine Flexscheibe endet. Die Flexscheibe ist nach der Zahnform eines Kreissägeblattes formabgerichtet. Vor der Flexscheibe befindet sich eine Rollbahn, auf der ein Rollwagen, versehen mit in Schienen eingreifenden Rollen, hin und her bewegt werden kann. Dieser weist eine Befestigungsmöglichkeit für Sägeblätter von Kreissägen auf. Die Rollbahn ist per Gewindespindel im Abstand zur Flexscheibe einstellbar. Auf dem Rollwagen aufgeschraubte Sägeblätter werden durch eingesteckte Steckbolzen in der jeweiligen Zahnstellung arretiert. So kann nach entsprechender Voreinstellung ein Schärfen von Kreissägeblattzähnen stattfinden.

Ein solcher Eigenbau wurde notwendig, weil durch die Produktion von fast ausschließlich Kreissägen natürlich ein Bedarf an wirtschaftlicher Ausnutzung von Sägeblättern bestand. Der Sockel der Maschine, natürlich ebenfalls selbst gefertigt, ist kurioserweise aus Holz, erinnert jedoch stilistisch an Stahlgestellte gleicher Funktion und ist auch mit der gleichen Farbe lackiert die die damaligen Kundenmaschinen. Die Maschine stammt vermutlich aus den 1950er-Jahren.

Herzog Ständerschleifbock HNS
Ständerschleifbock aus eigener Herstellung, der wegen Eigenbedarfs in der Halle aufgestellt wurde. Etwa 1940er – 1950er-Jahre.
Solche Maschinen werden überwiegend für kleinere ohne Schraubstock von Hand ausgeführte Schleifarbeiten, wie zum Beispiel das An- oder Nachschleifen von Bohrwerkzeugen verwendet.
HNS = Herzog Neunkirchen Saar.

Ständerschleifblock, Marke Greif, Modell OS 400, mit Plakette Adolf Pfeiffer, Karlsruhe
Vorhandene Unterlagen beweisen einen Kauf im Jahre 1939, wobei das Objekt in diesen Unterlagen jedoch ausschließlich als „Greif“ bezeichnet wird. Pfeiffer war der Händler, Greif der Produzent der Maschine, mit Ausnahme des wiederum fremd produzierten Elektromotors.

Der Schleifblock weist eine Vorrichtung zum erleichterten Anschleifen von Spiralbohrern auf. Diese müssen lediglich in das hebel artige Gestänge rechts neben der rechten Schleifscheibe eingesetzt werden. Durch langsames Hin- und Herbewegen wird dann durch die Schleifscheibe automatisch die richtige Bohreranschliffform erzeugt.
Die Maschinenbaufirma Greif wurde 1928 gegründet und existiert bis heute. Die Werkzeughandelsfirma Adolf Pfeiffer wurde dagegen schon 1880 in Mannheim gegründet.

Hydraulische Maschinenpresse, Teileigenbau von ca. 1960
Die Hydraulikeinheit Weist folgendes ­Typenschild auf: Rex-Hydro-Norma; Rexroth GmbH Lohr/Main, Bj. 1959
Zeitgenössische Fachliteratur aus dem Nachlass des Firmengründers aus den 1930er-Jahren (die Buchreihe „Unter Motor und Fahrgestell“ aus dem Krafthand-Verlag Berlin) weist darauf hin, dass eine Einhebel-Bedienung für Pressen schon damals streng verboten war und dass aus Sicherheitsgründen eine Zweihebel-Bedienung bei solchen Maschinen unverzichtbar gewesen ist. Der Bediener durfte beim Pressvorgang keine zweite Hand zum Nachjustieren des Werkstückes verwenden und sich damit in Verletzungsgefahr bringen. Um nun aber doch ca. 30 Jahre später eine verbotene Einhebel-Bedienungs-Presse zu erhalten, wurde eine einzelne Hydraulik-Einheit erworben, die in gewünschter Art und Weise auf einem selbst konstruierten Maschinenpressständer montiert wurde. Ehemalige Lehrlinge der 1950/60er-Jahre bestätigten dem heutigen Inhaber das Entstehen des Objektes in dieser Kombination. Die Presskraft der Maschine liegt im dreistelligen Tonnenbereich und wurde in den 1960er-Jahren zum Falten und Zurechtpressen tonnenförmiger Ständer und Gehäuse für Maschinen aus eigener Produktion benötigt. Die freibleibende zweite Hand des Bedieners konnte dann tatsächlich zum Nachjustieren des Werkstückes während des Pressvorgangs verwendet werden. Der für den Einsatz der Maschine erforderliche Hydrauliköltank umfasst 200 Liter, ist ebenfalls selbst geschweißt und befindet sich am oberen Ende der Maschine.
Die im 18. Jh. gegründete Firma Rexroth existiert bis heute mit im Jahre 2012 gemeldeten 27500 Mitarbeitern.

Bohrwerk, Marke „Favorit Bohrwerk-Union“, Bj. 1930er-Jahre
Bei der abgebildeten Maschine handelt es sich um ein Bearbeitungszentrum. Hier können übergroße, überschwere und unsymmetrische Werkstücke, deren Bearbeitung auf herkömmlichen Bohr- und Drehmaschinen nicht mehr möglich ist, bearbeitet werden. So ist beispielsweise die Bearbeitung von Werkstücken von ungefähr einem Kubikmeter Rauminhalt und einer Tonne Gewicht möglich. Allein der Verfahrweg des Werkstücktisches auf dem Maschinengestell beträgt fast 2,50 Meter. Bei der Positionierung des Werkstückes hilft ein über der Maschine befindlicher Werkstückkran, welcher auf einem Laufgestell montiert ist, das aus Eisenträgerteilen zusammengeschweißt ist.
Das Bohrwerk stammt aus dem süddeutschen Raum, innerhalb der nach dem Zweiten Weltkrieg existierenden französischen Besatzungszone, jedoch außerhalb des Saarlandes. Die Maschine wurde 1945 von den Franzosen im Zuge von Reparationsansprüchen als Beutegut demontiert und nach Woippy bei Metz in Lothringen verbracht, um anschließend auf einem Sammelplatz versteigert zu werden. Auch den unter französischer Verwaltung stehenden Saarländern stand das Steigerungsrecht zu. Philipp Herzog erwarb dieses Bohrwerk um 1947 auf diesem Wege, um sich mit dieser vielseitigen Maschine einen Wettbewerbsvorteil in Neunkirchen zu verschaffen, da besonders solche Maschinen damals sehr selten waren.

Die Überführung dieser Spezialmaschine erfolgte auf einem ehemaligen Wehrmacht-Holzvergaser-Lkw (der Motor wurde mit Holzkohlengas betrieben) und stellte aufgrund der schwachen Leistung dieses Fahrzeuges, des Gewichts der Maschine und aufgrund der topografischen Lage Neunkirchens einen gewissen logistischen Anspruch.
Die Maschine selbst besitzt zwei antreibbare Tischachsen, ein Höhenvorschub der Bohrwerkzeughalterung und eine antreibbare Werkzeugachse. Von diesen vier antreibbaren Achsen könne drei gleichzeitig angetrieben werden, wodurch es sich bei dieser Maschine um ein hoch entwickeltes Spezialgerät handelt.
In späteren Jahrzehnten auf dieser Maschine besonders viele Schrämwalzen (Bohrköpfe zur Aufnahme von Schneidwerkzeugen zum Abbau von Kohle für den örtlichen Bergbau, im Auftrag der ortsansässigen Firma Krummenauer als Auslagerungsarbeit ausgebohrt.

 
Ein Bericht von Wolfram Herzog
Fortsetzung folgt