30 Jahre Arbeitskreises für Geschichte
Mittler zwischen Generationen und Erhalt der Geschichte
 
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Das Haus Hoppstädter
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Das Junkerhaus
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Der Obstgarten am Junkershaus
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Schmiede Junkerhaus um 1880
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Durch Schenkungen und gezielten Ankauf umfasst die Bibliothek ca. 2 500 – 3000 Büchern, Broschüren, Festschriften und Kopien von ­Kirchenbüchern sowie den Gemeinderats­beschlussbüchern des Ortsrates bis zum ­Zusammenschluss zur Stadt Neunkirchen 1922.
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Da die Bibliothek als Handbibliothek
geführt wird, finden keine Ausleihungen ­außer Haus statt

Am 13.12.2020 kann der Wellesweiler Arbeitskreis für Geschichte, Landeskunde und Volkskultur e.V. seinen 30-zigsten Geburtstag feiern. Sorge um den Erhalt der Boden – und Baudenkmäler von Wellesweiler, der Stengel-Kirche, des Junkerhauses sowie der Zeugnisse aus der gallo-römischen Besiedlungszeit im Kasbruch und der Fliehburg auf dem Maikesselkopf waren Anlass, diesen Verein zu gründen.

Erste Treffen der heimatkundlich Interessierten waren bereits 1987 in einer Gruppe im Kulturbereich des KKW erfolgt und führten zu der Einrichtung eines historischen Wanderweges zu den Bodendenkmälern im Kasbruch. Dieter Steinmaier, der heutige Ortsvorsteher von Wellesweiler, und Hans Günther Sachs waren die Initiatoren. Rechtliche Überlegungen führten dann 1990 zu der Gründung des Arbeitskreises als eigenständiger Verein. Die Gründungsmitglieder waren: Ernst Conrad, Günter Keller, Dr. Hanns Klein, Alf Müller, Karlheinz Rohrbach, Karl – Heinz Rothhaar, Walter Ruhmann, Hans Günther Sachs, Dr. Claudia Ulbrich und Martin Wolff. Von den Gründungsmitgliedern sind heute noch drei Mitglieder des Vereins: Alf Müller, im Vorstand tätig sind Prof. Dr. C. Ulbrich als wissenschaftlicher Beirat und Hans Günther Sachs als 1. Vorsitzender.  
Der Zweck des neuen Vereins, des ersten Vereins im Raum Neunkirchen mit einer rein historischen Zielsetzung, wurde in seiner Satzung definiert: Förderung der heimatkundlichen Belange auf breitester Basis, u.a. in den Bereichen Orts- und Regionalgeschichte, Boden- und Kunstdenkmalpflege, Siedlungs,- Wirtschafts und Sozialstruktur, Namens- und Familienforschung.
Der Verein begann seine Arbeit bereits im Jahre 1991 aufzunehmen mit einem Vortragsprogramm, mit Bildvorträgen, Exkursionen und Führungen. Schwerpunkte waren zunächst die Führungen im Kasbruch und auf dem Gebiet der ehemaligen Grube Wellesweiler. Ein anspruchsvolles Vortragsprogramm ermöglicht den Mitgliedern und Besuchern, sich über den aktuellen Stand neuerer Forschungen und Erkenntnisse im historischen Bereich zu informieren. Über 160 Vorträge mit namhaften Referentinnen – und Referenten wurden bisher zuletzt im Junkerhaus durchgeführt. Die Referenten loben die Atmosphäre und das Publikum, so dass sie gerne nach Wellesweiler kommen.
1994 wandte sich der Verein, zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft für Landeskunde im historischen Verein für die Saargegend, mit einer Resolution an die Öffentlichkeit, mit der er für den Erhalt der Stengel-Kirche eintrat und Forderungen nach Ausgrabungen im Zuge der damaligen Baumaßnahmen erhob. Namhafte Unterstützung erfuhr der Verein von vielen namhaften Wissenschaftlern für sein Engagement, das schließlich zu Grabungen führte.
Früh begann sich der Verein auch mit eigenen Publikationen zu beschäftigen. Herausragend sind das von Prof. Dr. Alfons Kolling geschriebene Buch „Ein gallo-römisches Quellheiligtum: KASBRUCH“, „Eine Jugend im Forsthaus Eberstein“, „Die Bau- und kunstgeschichtliche Entwicklung des Dorfes Wellesweiler im Überblick“ von Dr. Christof Trepesch und die beiden Postkartenbücher von Neunkirchen.
1999 konnte der Verein das Haus der ehem. Gaststätte Hoppstädter in der Rettenstraße für 30 Jahre pachten. Mit hohem finanziellem Aufwand gelang es, dort Räume für ein Archiv und eine Bibliothek einzurichten und Arbeitsplätze zu schaffen. So konnte der Verein Belege zur historischen Entwicklung des Dorfes Wellesweiler, seiner Bewohner und deren Erwerbsgrundlage, wie dem Bergbau, der Landwirtschaft und den Ziegeleien zusammentragen und archivieren.  
2003 konnte mit Hilfe der Aleksandra – Stiftung zur Förderung Westricher Geschichtsforschung der hintere Teil des Junkerhauses erworben werden. Dort entstanden dann in Folge ein Vortragsraum und ein Bereich für Sitzungen des Vorstandes. Die Renovierung des dazugehörenden Schmiedegebäudes, einst eine Dorfschmiede des Schmiedes Hößler, war danach ein weiteres Projekt des Vereins. Die Bewältigung des bisher größten Projektes dauerte von 2005 bis zur Einweihung am 10.09.2010 durch den Landrat Dr. Hinsberger und verschlang für die Baumaßnahmen und den Kauf von Maschinen rd. 75.000 Euro. An jedem Tag des offenen Denkmals öffnet die Schmiede wieder ihre Pforten. Schmiede zeigen dann an diesem Tage, alte Schmiedekunst. Auch für Schulklassen bietet der Verein einen Einblick in ein fast ausgestorbenes Handwerk an.

Auf dem dazugehörenden Gartengelände wurde nach einer Rodung eine Anpflanzung alter Obstsorten vorgenommen. Dort werden natürlich gärtnerische Kenntnisse von den Mitgliedern gefordert. Insgesamt erfordert das Junkerhausareal erhebliche personelle und finanzielle Anstrengungen, die bisher gemeistert werden konnten.
Mit einer Reihe von Veranstaltungen über das Jahr ist der Verein in der Öffentlichkeit tätig. Beliebt sind neben der erwähnten Vortragsreihe die Führungen im Kasbruch und die auf dem Bergbauweg Bexbach-Wellesweiler. Letztere werden gemeinsam mit dem Heimatverein der Stadt Bexbach durchgeführt. Sehr gut besucht sind die Kaffeeklatsch‘s im Junkerhaus, die in normalen Zeiten zweimal im Jahr durchgeführt werden. Zu den Höhepunkten der Veranstaltungen zählt der Tag des offenen Denkmals und der Wellesweiler Weihnachtsmarkt.
Nicht zu kurz kommt dabei die Arbeit im Bereich der Sammlung und Bearbeitung rein historischer Belange. Der Verein verfügt über eine große Sammlung historischer Fotos, die er bei Vorträgen, aber auch bei seinen seit fünf Jahren aufgelegten Kalendern der Öffentlichkeit zeigt. Große Datensammlungen sind im Laufe der Jahre zu den verschiedensten Bereichen entstanden, darunter auch Erfassungen von Kriegstoten aus dem Raum Neunkirchen, Schiffweiler und Spiesen-Elversberg. Eine aktuelle Arbeit beschäftigt sich mit den Opfern der NS – Zeit im Landkreis Neunkirchen.
Großes Lob haben die Mitglieder für die Leistungen der vergangenen Jahre geerntet. 55 sind es im Jubiläumsjahr. Da alle Hände für weitere Aktivitäten gebraucht werden, ist der Verein weiterhin eine Anlaufstation für historisch Interessierte im Raum Neunkirchen. Für alle, die mitarbeiten wollen, aber auch für Leute, die einfach die Arbeit als notwendig einstufen und die Arbeit mit einer Mitgliedschaft unterstützen wollen. Diese Mitgliedschaft kostet nur 25 Euro im Jahr, ein zweites Familienmitglied zahlt die Hälfte.

Der Wellesweiler Arbeitskreis für Geschichte, Landeskunde und Volkskultur e.V. sieht seine Aufgabe darin, Mittler zwischen den Generationen zu sein und etwas von unserer Geschichte für sie zu bewahren. Das ist in 30 Jahren gut gelungen und sollte daher weiter Bestand haben.