Volles Haus beim Elversberger Kulturabend in der Glückauf-Halle
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Das Caffè Cult, die Kleinkunstgala der Gemeinde Spiesen-Elversberg entließ nach üppigen drei Stunden ein begeistertes und gut gelauntes Publikum in die Nacht. Die Glück­auf-Halle war vollbesetzt, das Programm eine brillante Mischung verschiedener Kulturgenres und der große Schweizer Liedermacher Stephan Sulke setzte den glanzvollen Schlusspunkt. Gleich zu Beginn kündigte Reiner Pirrung – der Bürgermeister führte selbst durch die Veranstaltung – Internationales an. Die Schoenen aus dem Saarland präsentierte mit ausdrucksstarker Stimme, die an die späte Piaf erinnert, vorwiegend französische Chansons. Darunter ein Celine Dion-Titel, der von Jean Jacques Goldmann geschrieben wurde. Anne Schoenen hatte als Background Jörg Jenner am Kontrabass und den sizilianischen Lothringer Vincenzo Carduccio mitgebracht. Zu Letzterem später noch ’ne Anmerkung. Allesamt grandiose Vertreter der Musikzunft, Die Schoenen ein Aushängeschild der regionalen und überregionalen Chansonszene. Dann der Schwenk zur Klassik. Die einheimische Flötistin Christine Hüls und Mathias Staut am Klavier intonierten Werke von Chopin, von Fauré und aus der Suite Antique des zeitgenössischen Komponisten John Rutter Prélude, Aria und Ostinato. Zwischen den Musikparts wurde getanzt. Die Tanzschule Denne aus dem benachbarten Neunkirchen hatte 14 junge Leute geschickt, die mit Salsa und Boogie schwungvoll die Bühne bevölkerten. Danach kam „De Globetrotter“. Unglaublich, welche und wie viele Instrumente er aus seiner „Kiste voller Musik“ hervorzauberte. Abstruse und normale. Der Mikrofonständer wurde zur Panflöte, der Gartenschlauch zur Tuba und sogar eine Luftpumpe kam zum musikalischen Einsatz. Mit einem Kopfstand auf der Bassgeige, dazu noch singen und einem Kuhglockenkonzert bewies der Bexbacher Entertainerqualitäten der Spitzenklasse. Nach der Pause las Pirrungs Bürgermeisterkollege Armin König aus seinem umfangreichen schriftstellerischen Werk. Die erwartet politisch-kritische Lyrik fehlte ebenso wenig wie ein Gedicht über die Liebe. Mit Albert Weinsteins Relativitätstheorie über den Kröver Nacktarsch hatte der Illinger die Lacher auf seiner Seite. Der Rest des Abends gehörte Stephan Sulke. Der Mann mit dem angenehmen Timbre in der Stimme, war mal tiefschürfend-melancholisch („Ich singe jetzt ein Selbstbemitleidungslied“), mal herrlich schelmisch-hintergründig. Beim Auftritt im Caffè Cult begab sich der Schweizer mit dem Publikum auf einen Streifzug durch sein früheres und aktuelles opulentes Musikschaffen. Am E-Piano und zur Gitarre präsentierte er Klassiker wie „Du machst mir noch mein Herz kaputt“, „mein lieber Onkel May“ oder die Lehrerhymne „Ich wollte Ihnen nur mal Danke sagen“. Das neue Album steuerte mit „Mensch ging das aber Schnell…“ oder „Mit dir will ich älter werden“ Lieder eines gereiften, weniger zornigen, lebenserfahreneren Sulke bei. Bei dem bekanntesten Stück „Uschi (mach’ kein Quatsch)“ stimmte der ganze Saal mit ein. Keine Frage, der Altmeister hat trotz langjähriger Bühnenabstinenz nichts aber auch gar nichts an Klasse und Authentizität verloren. Als er am Ende zur allerletzten Zugabe den Akkordeonisten Carduccio mit an den Flügel brachte, live und ungeprobt, versteht sich, hatte er endgültig das Auditorium erobert. „Der Mann aus Russland“ avancierte zum Schlusslied dieses Hoch-Niveau-Kulturabends. Stephan Sulke tourt weiter durch Deutschland, im Saarland war Elversberg die einzige Station. Bravissimo Caffè Cult!