Erlebnisreicher Tag rund um Schafe und deren Haltung
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Natalija Hildenbrand aus Kirkel gewann den ersten Preis beim Gewinnspiel. Henrik Wagner (Mitte) und Dr. Norbert Fritsch gratulierten ihr.
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„Das Hüteteam“ Jan-René Hartmann und Border Collie-Hündin Meggy hüteten bei ihrer Vorführung aus Platzgründen keine Schafe sondern Enten.
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Tierpfleger Michael Weingard schor
fachmännisch ein Bentheimer Landschaf.
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Eines der drei Tage alten Lämmer des Jakobsschafes ließ sich beim Trinken nicht stören.
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Eindrucksvoll sehen die großen, gedrehten Hörner der Walachenschafe aus.
An einem Sonntag im Juni waren die Schafe die Stars im Neunkircher Zoo. Die saarländische Regionalgruppe der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH) und der Zoo Neunkirchen zeigten zum dritten Mal sowohl Tiere von sehr seltenen, vom Aussterben bedrohten, als auch von weit verbreiteten Wirtschaftsrassen. Die Vorstellung der einzelnen Rassen, eine Schafschur, eine Hütevorführung und ein Gewinnspiel stellten die Veranstaltungshöhepunkte dar.

Auf dem Platz unterhalb der Zooschule waren verschiedene Info- und Verkaufsstände aufgebaut. Mitglieder der GEH verkauften schmackhafte Produkte wie Salami, Schinken und Rohesser von den Schafrassen, die im Saarland gezüchtet werden, Mitglieder vom Landesverband der Schaf- und Ziegenhalter im Saarland e.V.(LVSZ) beantworteten alle Fragen von Interessierten und Birgit Kreßler-Prusko, begeisterte Züchterin des Alpinen Steinschafes, Rasse des Jahres 2009, kam extra für diese Veranstaltung aus Bayern angereist um Wollprodukte dieser Tiere anzubieten. Das Zooteam sorgte für das leibliche Wohl der Besucher mit Getränken aller Art und leckeren saarländischen Grillspezialitäten. Henrik Wagner, Landeskoordinator der GEH, und Anton Schmitt vom LVSZ schilderten im Wechsel anschaulich viel Wissenswertes über die neun ausgestellten Schafrassen, die alle von Züchtern im Saarland stammten und für deren Aufenthalt im Neunkircher Zoo eigens Holzgatter aufgebaut worden waren. Die Herkunft des Bentheimer Landschafes ist die Grafschaft Bentheim und Lingen (Emsland) und ist eine der vom Aussterben stark gefährdete Rasse (Kategorie II) laut der roten Liste der GEH. Es ist das größte deutsche Moor- und Heideschaf, ist pflegearm, robust und bietet eine hervorragende Fleischqualität. Das Waldschaf ist ein feingliedriges, kleines bis mittelgroßes Landschaf mit langer grober Wolle. Es ist eine schöne und ruhige Rasse mit hoher Fruchtbarkeit, ist aber extrem gefährdet (Kategorie I). Das Jakobsschaf kann bis zu sechs Hörner aufweisen, ist schwarz-weiß gefärbt und mittelgroß. Zum Tag des Schafes im Neunkircher Zoo waren nicht nur ausgewachsene Tiere dieser Rasse angereist, sondern drei Tage alte Lämmer waren zum Entzücken, vor allem der Kinder, mit von der Partie. Das Coburger Fuchsschaf hat in den letzten Jahren zwar zahlenmäßig zugenommen, es gehört aber immer noch zu den gefährdeten Haustierrassen. Die Lämmer haben bei der Geburt ein rotbraunes Vlies, welches im Alter von sechs bis zwölf Monaten heller und auch als „goldenes Vlies“ bezeichnet wird, wobei der Kopf weiterhin rotbraun gefärbt ist. Die graue gehörnte Heidschnucke ist ein kurzschwänziges Heideschaf mit zum Teil gedrehten Hörnern. Die Rhönschafe haben einen ausgeprägt schwarz gefärbten, unbewollten Kopf, sind hornlos, mittelgroß und am Körper weiß bewollt. Diese Rasse war vom Aussterben bedroht, heute gibt es in Deutschland wieder 4000 bis 5000 Tiere. Die kleinste Schafrasse der Welt ist das Ouessant oder bretonische Zwergschaf. Die Nachfrage hierfür ist bei den Hobbyzüchtern sehr groß, es wiegt etwa 15 bis 20 Kilogramm, ein Tier kostet 150 bis 200 Euro und ist gut für Kinder geeignet. Die Walachenschafe kommen ursprünglich aus Tschechien und kamen vor 300 Jahren mit den walachischen Hirten aus Rumänien. Eindrucksvoll sehen die großen, gedrehten Hörner aus, die sowohl bei allen Böcken, aber teilweise auch bei Muttertieren vorkommen. Deutschland ist heute einer der wichtigsten Standorte für diese Schafrasse, sie ist auch im Saarland angesiedelt. Henrik Wagner und Anton Schmitt betonten abschließend zu ihren Ausführungen, dass die Erhaltung einer Schaf­rasse oft dem Zufall unterliege. Niemand sollte sich davor scheuen die GEH zu kontaktieren, wenn die Vermutung für eine besondere Rasse vorliegt, um Mithilfe wird gebeten. Die neunte Rasse, die am Tag des Schafes im Neunkircher Zoo ausgestellt wurde, war das Suffolk-Schaf, das für seine schmackhafte Fleischausbeute bekannt ist und zum Beispiel von Manfred Brill im Saarland gezüchtet wird. Ihm gehört der Suffolk-Bock, dessen Gewicht es im Rahmen des Gewinnspieles zu schätzen galt. Zum Ende der Veranstaltung wurde das Tier „life“ gewogen und wies ein Gewicht von 94 Kilogramm auf. Mit ihrer Schätzung von 96 Kilogramm lag Natalija Hildenbrand aus Kirkel dem Realgewicht am nächsten. Zoodirektor Dr. Norbert Fritsch überreichte ihr den ersten Preis in Form einer Jahreskarte zum Besuch des Neunkircher Zoos und einen Gutschein für einen Erlebnistag für die Familie. Benjamin Kaulenburger aus Wadgassen und Sarah Konrad aus Krettnich gewannen jeweils den zweiten und dritten Preis, wiederum einen spannenden Erlebnistag im Zoo Neunkirchen.
Ein weiterer Höhepunkt der Veranstaltung stellte die Vorführung der Schur eines Bentheimer Landschafes dar, wobei die Prozedur bei Tierpfleger Michael Weingard eigentlich ganz spielerisch und leicht aussah, was aber in Wirklichkeit viel Kraft erfordere und allein durch die gebeugte Körperhaltung extrem anstrengend sei. Nicht mehr viele Personen beherrschten heute die Fähigkeit der Schafschur. Rund um die freie Rasenfläche der Falknerei im Neunkircher Zoo versammelten sich dreimal an diesem Tag die Zuschauer um einer Hütevorführung, ausgeführt durch „das Hüteteam“, alias Jan-René Hartmann aus Baden-Württemberg und seiner Border Collie-Hündin Meggy, beizuwohnen. Gehütet wurden vier Laufenten, keine Schafe, da der Platz dafür nicht ausgereicht hätte. Während er Meggy die Kommandos gab, erzählte Hobby-Hirt Hartmann viel Interessantes über den Hütevorgang und die Hunderasse. Der Border Collie würde seit hunderten von Jahren für eine Aufgabe gezüchtet, nämlich für das Hüten. Diese Hunderasse habe einen Hüteinstinkt entwickelt, sie müsse unbedingt gefordert und ausgelastet werden, sie sei kein Hund für das Sofa. Die geduckte Körperhaltung, der eingezogene, unter dem Bauch entlang führende Schwanz, dessen Spitze bis an das Kinn des Hundes reichen kann, zeige die hohe Konzentration. Jan-René Hartmann ließ Meggy die Laufenten um ihn herum und durch verschiedene Tore treiben, die Hündin trennte auf Kommando die zwei weißen von den zwei schwarzen Enten und trieb sie abschließend, wieder vereint, in ihren Käfig. Die Dauer der Hundeausbildung würde von den Schäfern unterschiedlich ausgedrückt, eine Form besagt: Unter jeder Pfote steckt ein Jahr Ausbildung.

Wieder einmal erlebten die Besucher eine tolle Veranstaltung im Neunkircher Zoo. Weitere Informationen und Termine finden Sie im Internet unter www.zoo-neunkirchen.de. Bei Fragen an Henrik Wagner, Landeskoordinator der GEH e.V., wählen Sie bitte die Telefonnummer 0171-1470592, „Das Hüteteam“ finden Sie unter www.das-hueteteam.de.
rw