Prägnant und ein Stück Stadtgeschichte
Historie eines Kaufhauses mit Tradition in Neunkirchen
Letzter Teil
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Bald wird der Kaufhof in Neunkirchen
seine Pforten schließen
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Im obersten Stockwerk teilen sich
Weihnachtsmann und Osterhase die Aktionsfläche
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Alles muss raus, so heißt es im Kaufhof
am Stummplatz
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Neunkirchen wird den Kaufhof vermissen
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Im Inneren des Gebäudes finden sich
noch die Rolltreppen aus den Blütezeiten des Kaufhofes
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Die Brücke vom Kaufhofgebäude zum ­Saarparkcenter
wird auch dem neuen Mieter sicherlich zugutekommen
In den 80er und 90er Jahren war der Kaufhof oder wie die Neunkircher immer noch sagten „es PEKA“, die Einkaufsmeile in Neunkirchen und der Slogan „Im Kaufhof gibt es tausendfach alles unter einem Dach“ spiegelte genau das wider. Nun neigt sich diese Ära dem Ende zu.

Viele Jahre lang galt der Kaufhof als DER Einkaufsmarkt in Neunkirchen, dort gab es alles, was das Herz begehrte. Im Untergeschoss wurden Lebensmittel verkauft und in den Stockwerken verteilt, konnte man von Kurzwaren über Taschen, Schuhe und bis zu Elektrogeräten fast alle Waren erstehen. Wenn man sich bei der älteren Generation der um die 50- bis 70-Jährigen umhört, dann wird man immer wieder hören, wie die Neunkircher sich als Kinder die Nasen platt drückten an den toll dekorierten Schaufenstern zur Weihnachtszeit. Es war immer ein Erlebnis, wenn man die Eltern zum Einkauf begleiten durfte und eine Brezel oder noch besser ein Softeis bekam. Auf rund 8.500 Quadratmetern, die über vier Stockwerke verteilt waren, gab es alles, was das Käuferherz begehrte. Auch das Restaurant im zweiten Obergeschoss erfreute sich immer sehr großer Beliebtheit, konnte man doch dort bei günstigen Preisen eine wohlverdiente Pause vom Einkauf einlegen. Die Kaufhof Warenhaus AG war schon immer ein Garant für Markenware und gute Qualität. Neben den Eigenmarken des Konzerns waren auch zahlreiche Designermarken vertreten. Neben den vielen gutgehenden Einzelhandelsgeschäften in der Bahnhofstraße und am Hüttenberg hatte der Kaufhof quasi ein Alleinstellungsmerkmal in der Neunkircher Innenstadt. Dies änderte sich eigentlich erst mit der Eröffnung des Saarparkcenters im August 1989. Eine Brücke wurde zur Verbindung des Kaufhofes zur Shoppingmeile erbaut und so wuchsen die beiden „Einkaufstempel“ zusammen. Zum 1. Oktober 2008 wurde der Konzern in die Galeria Kaufhof GmbH umgewandelt. Im Laufe der Jahre wurde die Lebensmittelabteilung aufgegeben und im Inneren des Gebäudes wurde vieles umstrukturiert und modernisiert. Im Jahr 2022 hätte die Galeria Kaufhof ihr 50-jähriges Jubiläum in Neunkirchen feiern können. Leider wird dies nicht mehr stattfinden, denn die Türen des „PEKA“ in Neunkirchen werden sich für immer schließen. Der Konzern hat unter anderem die Schließung der Neunkircher Filiale beschlossen und somit auch die Entlassung oder die Umsetzung in andere Betriebe der rund 60 Mitarbeiter in Kauf genommen. Unter den Angestellten sind auch viele, die schon seit Jahrzehnten im „PEKA“ beschäftigt sind, dort schon gelernt haben und denen der Abschied nun schwer fällt. Auch zahlreiche Kunden sind bestürzt über die Schließung, so auch Thomas Freddy aus Bexbach: „Die Schließung des Kaufhof ist nicht nur ein herber Schlag und Verlust für Neunkirchen und seiner Umgebung. Vielmehr trifft es vor allem die Mitarbeiter des Kaufhofes, die Knall auf Fall vor dem nichts stehen. Der Kaufhof war ein Geschäft, dass die Innenstadt über Jahrzehnte mitgeprägt hat, lange vor dem Center. Wir sind früher immer ins „PEKA“ gegangen um einzukaufen. Die Auswahl, die Qualität und Beratung waren einfach rundum gut. Schade, dass Neunkirchen solch ein Geschäft in der Innenstadt verliert. Ein langer Leerstand wäre fatal für die Stadt. Vielleicht kann sich das Saarparkcenter dazu durchringen und das Gebäude übernehmen um seine Geschäfte und Auswahl zu erweitern. Ein überdachter Durchgang ist ja bereits vorhanden.“ Viele Neunkircher haben Bedenken, dass das Gebäude dann ab Ende Oktober 2020 leer stehen wird. Zu der gesamten Situation um den Kaufhof wird auch oft die Kreisstadt Neunkirchen mit ins Boot geholt. Dazu hat Oberbürgermeister Jörg Aumann Worte gefunden: „Die Schließung des Kaufhofs reißt eine tiefe Lücke in die Einkaufsstadt Neunkirchen. In Gedanken bin ich bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die Stadt Neunkirchen sieht sich hier eher als Vermittler, das Gebäude gehört ja nicht der Stadt, sondern einem Immobilienunternehmen. Natürlich versuchen wir darauf Einfluss zu nehmen, dass das Gebäude möglichst schnell wieder vermietet wird. Wir können niemanden drängen, sondern es muss immer ein gutes Einvernehmen zwischen der Stadt und dem Eigentümer geben, dann werden wir auch zu einem Ergebnis kommen. Es gibt in jedem Fall Interesse an dieser 1a-Lage mitten am Stummplatz. Wir wünschen uns keinen langen Leerstand. Eine Mischnutzung wäre durchaus denkbar, es sind noch viele Fragen offen. Unsere Stadt ist das Kämpfen gewohnt und hat schon ganz andere Rückschläge weggesteckt. Es gilt nun einmal mehr und umso mehr: Wir müssen in Neunkirchen zusammenhalten. Jetzt erst recht! Ich appelliere an alle Neunkircherinnen und Neunkircher: Kaufen Sie lokal! Gerade in der jetzigen Situation ist es wichtig, dass wir alle unsere Geschäfte vor Ort unterstützen.“ Auf den schon bereits vorhandenen Leerstand in der Innenstadt angesprochen, konnte der Oberbürgermeister auf das Revitalisierungsprogramm hinweisen: „Die Kreisstadt Neunkirchen hat als eine der wenigen Kommunen ein sogenanntes Revitalisierungsprogramm. Zu der Stärkung der Handels- und Dienstleistungsfunktion als wesentliche städtebauliche Zielsetzung für die Neunkircher Innenstadt soll durch das Förderprogramm ein bedeutender Beitrag geleistet werden. Zu diesem Zweck sollen einerseits Existenzgründungen/Neuvermietungen und andererseits Renovierungen, die zu einer qualitativen Verbesserung des Geschäftsflächenangebotes führen, finanziell gefördert werden. Mit dieser Förderung sollen Einzelpersonen, Personengesellschaften oder GmbH, die eine neue Niederlassung oder Zweigstelle eröffnen, finanziell unterstützt werden, sofern sie eine bisher leerstehende gewerbliche Fläche anmieten. Die Förderung gilt grundsätzlich für den Handels- und Dienstleistungssektor, ausgeschlossen sind Vergnügungs-, Spielstätten und ähnliche Einrichtungen. Die Höhe der Förderung beträgt 2,50 Euro/qm Mietfläche, jedoch höchstens 250,00 Euro/Monat und wird max. für die Dauer von 12 Monaten gewährt. Der Mietvertrag muss eine Mindestlaufzeit von 2 Jahren haben. Da bundesweit die Ladenmieten seit 1999 sich zwischen 20 % und 35 % verringert haben, wird eine Förderung nur gewährt, wenn dieser Entwicklung Rechnung getragen wird.“ Beim Stichpunkt Entwicklung ist noch anzumerken, dass sich diese nicht aufhalten lässt, man muss immer auf der Höhe der Zeit sein. Zur Entwicklung in Neunkirchen gehört nun auch die Schließung des Kaufhofes, eines Geschäftshauses, das über Jahrzehnte das Stadtbild am Stummplatz und die Neunkircher geprägt hat.

Eine Ära geht zu Ende und wir sagen „Good bye“!

ot